Ein Zitat aus Crime in the City bringt es auf den Punkt:
Well, I keep gettin' younger
My life's been funny that way".
Frisch und überzeugend ist diese Ausgabe von Living with war. Das gilt besonders für die DVD!
Schon immer halb Hippie, halb technikverliebt, kann Young nun seine alten Botschaften im Stil von After the Goldrush auch visuell eindrucksvoll untermalen und somit die Wirkung noch verstärken. Mit Musikvideos war das vergebene Mühe, trotz This note's for you", weil sie von MTV ohnehin fast nie gespielt wurden. Neil Young erlebt jetzt vielleicht die befriedigensten Jahre seiner langen Karriere, denn nun kann er nicht nur als Musiker tun und lassen was er will, sondern sich auch endlich in seiner zweitliebsten Kunst, der Filmemacherei ausleben. Die Technik hat gewaltige Sprünge gemacht, ist leistungsfähiger und preiswerter geworden. Bleibt zu hoffen, daß weitere Spezialausgaben der hoffentlich noch folgenden Young-Alben erscheinen werden.
Das Herzstück der DVD sind die Musikvideos zu allen Living with war Songs. Am Stück betrachtet wirkt es wie eine Sondersendung von CNN. Statt deren Logo ist ein LWW (Living with war) Logo eingeblendet. Zwei Laufbänder sind permanent zu sehen, eines zählt die monatlichen Zahlen der gefallenen US-Soldaten im Irak-Krieg auf, das andere bietet weitere Informationen. Gezeigt werden zumeist die gewohnten BBC/CCN Bilder aus dem Irak-Krieg, die praktisch nichts aussagen, dafür aber packend und dynamisch wirken und dem Zuschauer das Bild vermitteln hautnah dabei zu sein. Krieg voller Spannung und Action, aber ohne Gefahr. Und ähnlich wie die Nachrichtensender versucht auch Neil Young seine Meinung aufzudrängen. Bei ihm sind das Aufrufe pro Umweltschutz und bewußtem Konsum, contra Krieg. Diese naive Herangehensweise mag manchen abschrecken, langjährige Fans kennen es bereits ausgiebig von Young und noch stärker von Crosby, Stills und Nash. Allerdings zeigt Neil Young in Liedern wie The restless consumer" durchaus die Hintergründe für den War on terror" auf. Wenn die USA nicht so einen irrsinnigen Durst nach Erdöl hätten, wären sie auch nicht gezwungen ständig weitere Quellen erschließen zu müssen.
Nur in einem Video, in dem zu Roger and out", ist Neil Young selbst zu sehen und zwar samt Band. Aber auch dieses Video hat wenig Gemeinsamkeiten zu typischen Musikvideos, in denen der Verkauf einer CD im Vordergrund steht. After the garden" ist eine Art Trailer für Al Gores Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit". U2- und Michael Moore Anhänger werden diese DVD lieben!
Die liebevolle Menü-Aufmachung (als Zeitung), die Dokumentationen der einzelnen Songs, die Aufnahmen in 24/96, Mitschnitte aus Fernsehinterviews mit Young und weiteres Bonusmaterial runden den starken Eindruck von Living with war - Raw ab.
Let's impeach the President!