Und mögen die musikalischen Strömungen auch noch so fortschrittlich und hypermodern sein...es wird gleichzeitig immer auch eine Vielzahl von Rock/Metal-Bands geben, die dem Kommerz mit geballter Faust entgegentreten. Eine breite Allianz gegen den Ausverkauf. Solange es noch authentische Bands wie NECROS CHRISTOS , JEX THOTH , PRIMORDIAL , VANDERBUYST , ENFORCER , HEART OF CYGNUS , THE RUINS OF BEVERAST , THE DEVIL'S BLOOD , METAL INQUISITOR , DARKTHRONE , ATLANTEAN KODEX oder TOXIC HOLOCAUST gibt, wird Rock-Musik immer auch im Underground verankert sein. Denn diese Acts stehen nicht für blutleeren Plastik-Sound aus der Retorte, sondern für echte Stromgitarren-Musik ohne Trendanbiederei. Purer Enthusiasmus ohne feste Genrezugehörigkeit.
Auch das kanadische Okkult-Quartett BLOOD CEREMONY musiziert auf seinem neuen Album "Living with the ancients" komplett abseits der Mainstreams - wenn gleich eifrige Szenewächter dies mittlerweile ganz anders sehen. Wo kein Hype ist, da wird halt gern mal ein Hype künstlich herbeigeschrieben. Auf die stilistische Ausrichtung des 9-Trackers hat dies indes keinen Einfluss. Denn letztlich darf eigentlich nur zählen, was der Hörer am Ende der 51 Minuten für ein Urteil fällt. Und siehe da: BLOOD CEREMONY haben nach ihrem 2008er Longplayer "Blood ceremony" einen riesigen (!) Schritt nach vorne gemacht, und werden sich daher mit Recht als eine der führenden Occult-Rock-Bands an der Spitze des Genres etablieren.
Mit einem Höchstmaß an spielerischer Eleganz zaubert sich das Quartett ganz tief in die Herzen aller Seventies-Rock-Fans, die die Liebe zu BLACK SABBATH, COVEN , THE DOORS und speziell JETHRO TULL bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben. Wo sich viele Bands kläglich um den "typischen Geist" der 70er Jahre bemühen, da lassen BLOOD CEREMONY einfach nur heftige Gitarren-Akkorde und zeitlos-poetische Hammond-Sounds sprechen. Neben dem tollen Gesang von Frontfrau Alia O' Brien - die teilweise glatt als weibliches Pendant von Glenn Danzig durchgeht! - sorgen vor allem die grandiosen Querflöten-Melodien für Stimmung in der Bude. Allein wenn der Hörer beim malerischen Instrumental "The hermit" kurzzeitig mal die Augen schließt, so sieht er glatt den storchenbeinigen JETHRO TULL-Sänger Ian Anderson auf der Bühne stehen, der hier erneut eines seiner legendären Flöten-Soli zum besten gibt. Soviel Nostalgie ist ansteckend!
Mit ihrer feinen Melange aus erdigem Psychedelic-Hardrock, folkigen Elementen und leichtfüßigen Prog-Rock-Arrangements brennen sich Songs wie "Coven tree" , "Daughter of the sun" , "The great god pan" sowie "My demon brother" nach mehreren Durchläufen im Stammhirn fest. Dabei gehen die Refrains nicht sooo direkt ins Ohr, wie z.B. bei den schwedischen Senkrechtstartern von GHOST - spielerisch gibt es bei BLOOD CEREMONY jedoch mehr zu entdecken. Die beiden Longtracks "Oliver Haddo" und "Morning of the magician" nehmen den Hörer mit auf eine buntschillernde Reise in die Vergangenheit, wo dieser dann sogar eindeutige Parallelen zu GENESIS herauszuhören glaubt. Gleichzeitig enthält der 51-Minüter mit "Night of augury" wohl einen der denkwürdigsten Hammond/Sixstring-Chillouts aller Zeiten, der die Anschaffung dieser Scheibe schon im Alleingang rechtfertigt. Super!
Fazit: Bitterböse Harmonie, pechschwarze Romantik, teuflische Hingabe. Für den 9-Tracker lassen sich sehr viele Synonyme finden, die allesamt nur einen Schluss zulassen: BLOOD CEREMONY haben mit "Living with the ancients" ein kleines Meisterwerk erschaffen, dass alle Freunde des Retro-Rock enthusiastisch im Dreieck springen lassen wird. Kruzefix nochmal, unterstützt diese Band !!!