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Neben einem 100-köpfigen Chor aus Freiwilligen (es kamen viel mehr Menschen als geplant) ging der gebürtige Kanadier Young, der seit Ewigkeiten in den USA lebt, mit Chad Cromwell, Rick Rosas, und Tommy Bray ins Studio. Aber davon werden die Diskussionen, die Living With War begleiten, nicht bestimmt. Der Patriot und ewige Hippie Neil Young hat sich nämlich auf die Seite der Bush-Gegner geschlagen und zeigt sich politisch so aktiv, wie lange nicht mehr.
Wo er steht, wusste Young wohl selber nicht immer. Einmal protestiert er gegen eine brutale Niederschlagung von Studentenprotesten (Ohio), sympathisiert mit rechtskonservativen Gedanken (Hawks & Doves), unterstützt Ronald Reagan trotz aller Fanproteste und hinterlässt in Lets Roll (Are You Passionate?) einen bitteren Beigeschmack, weil er im Eifer wohl die gesellschaftlichen Folgen von Terroristenbekämpfung übersah. Young hat mal über sich selber gesagt: I don't have a view, I have an opinion that changes because everyday is a different day.
So, wie er es roh und vital auf Living With War krachen lässt, muss der Saft, in dem er 2006 im Alter von 60 Jahren steht, wohl gebrodelt haben. kein Wunder nach Hurrikane Katrina, dem Irak-Krieg und so manch anderen Blindgängern der Bush-Administration. Ärger ist manchmal doch ein guter Ratgeber! Und der musste schnell raus. Deshalb wurden Album wie die Songtexte schon vor der Veröffentlichung des physischen Tonträgers frei im Internet zugänglich gemacht. Im Radio dürfte Lets Impeach The President mit der seiner offenen Aufforderung, Bush Jr. aus dem Amt zu jagen wohl genauso wenig in die Rotation kommen wie Restless Consumer, der von all den Lügen im Fernsehen handelt. Dafür wird Living With War sich noch auf Plattentellern und in Playern drehen, wenn diejenigen, die in neun grandiosen Songs und einer dick aufgetragenen (America Is Beautiful) Hymne angesprochen werden, sich ganz woanders drehen... --Sven Niechziol
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"I am living with war in my heart every day." Ich merke es.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Living With War (Audio CD)
Da hatte der Altmeister des Folk Rock wohl Wut im Bauch. Und er hat sich hundert Leute gesucht, die auch Wut im Bauch haben und mit ihnen als Chor hat er dieses in Windeseile aufgenommene Protest-Album eingespielt. Bei einem Mann wie Neil Young ist es kein Argument gegen eine Platte, dass sie in kürzester Zeit fertig war. Wut muss eben besonders schnell raus dürfen, bevor sie verraucht.Auch wenn die Arrangements der einzelnen Lieder viel Übereinstimmendes haben und kaum eines anders klingt als die übrigen, so strahlt das Gesamtwerk doch viel Energie und Dynamik aus und überzeugt damit auf ganzer Linie. Für meine Ohren finden sich auch zwei Lieder auf dem Album, die ich zu meinen Top 30-Neil-Young-Stücken zählen würde:"Roger and out" und "Living with war". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
eines der besseren Alben des Altmeisters,
Von Martin Oehri, unterhaltung-themenguide.de (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Living With War (Audio CD)
Da ist er etwas wankelmütig. Von "Keep on Rockin` In the Free World" über "9/11 Let`s Roll" folgt jetzt der politische Turnaround. Weg von Kriegsbegeisterung hin zu Bush-Bashing mit eindeutigen Titeln wie "Let`s Impeach The President". Ansonsten ist für ihn die Regierung verlogen, korrupt, schickt die Jungs in den Tod und vieles anderes mehr.Musikalisch geht es mit dem Opener "After The Garden" endlich wieder in die rockig rumpelige Richtung wie früher mit Crazy Horse - unterstützt jedoch von einem 100 köpfigen Chor. Dieser begleitet und unterstützt Young bei seinen endlosen Tiraden und schafft es, immer wieder Gänsehaut zu erzeugen (insbesondere bei "Let`s Impeach..." und "The Restless Consumer"). Ebenfalls ungewöhnlich ist die weitere Begleitung durch den Trompeter Tommy Bray, der dem Titeltrack eine besondere Note (für mich eine unpassende Kombination Gitarre/Trompete) hinzufügt. Erfreulich ist an diesem Album aber, dass es mal wieder richtige Songs und elektrische Gitarren von Neil Young gibt. Wenn man den Abschluss - das pathetische "America The Beautiful" - abzieht, eines der besseren Alben des Altmeisters. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Young auf dem Kriegspfad,
Von
Rezension bezieht sich auf: Living With War (Audio CD)
Von der Aufnahme des Albums an einigen Tagen im April bis zur Veröffentlichung vergingen nur wenige Wochen. Neil Young hatte es versprochen. Und das Resultat dürfte jeden Freund seines Schrammel-Rocks zufrieden stellen. Kritiker vergleichen „Living With War“ mit „Ragged Glory“ von 1990. Ich nehme an, damals ließ er sich wesentlich mehr Zeit. Trotzdem ist die neue LP ein Glanzlicht und eine Rückkehr zu einer Tradition, die ihre Hochzeit am Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger hatte, als in der Rockmusik Tagesthemen bearbeitet wurden, und sie, um glaubwürdig zu klingen, einfach roh sein musste. Das ist „Living With War“ auf jeden Fall. Young schert sich nicht um den Mainstream, sondern meint, dass er etwas zu sagen hat, und er sagt es gleich und direkt. Das ist sehr sympathisch und glaubwürdig. Auch wenn es manchmal infantil klingt. Aber so infantil und platt wie seine vorherige LP „Prairie Wind“ vom September 2005 noch lange nicht. „Living With War“ überzeugt mit seiner inhaltlichen und musikalischen Geschlossenheit. Auf 41 Minuten (Young hängt nach wie vor am alten LP-Format) feuert er mit einer Minimalbesetzung (Gitarre, Bass, Drums – und ab und zu eine Trompete) sein elektrisches Feuerwerk ab und erinnert auch damit musikalisch an längst vergangene Zeiten, als „elektrisch“ noch ein Begriff für hypermodern war. Im Verlauf der Songs kommt ein bisschen Gospel dazu und am Ende der Platte ein sehr schöner, ergreifender und großer Chor, der „America Is Beautiful“ singt wie das Hallelujah. Altmodisch ist Young auf dieser Platte deshalb aber nicht. Seine Stimme bricht manchmal weg (er scheut schon seit einiger Zeit die hohen Tonlagen, die einst eines seiner Markenzeichen waren), die Gitarre klingt aber immer noch wie auf „Eldorado“, dem Album, das er genau wie „Living With War“ mit Chad Cromwell und Rick Rosas einspielte und dabei Crazy Horse in der Garage ließ. In den Texten greift er an; nicht nur in „Let's Impeach The President“ - „Lasst uns den Präsidenten seines Amtes entheben“ (wegen Lügen, Unfähigkeit und Geldverschwendung...), sondern auch im Titelsong („Jeden Tag lebe ich mit dem Krieg/ jeden Tag lebe ich mit dem Krieg in meinem Herzen... und auf dem Flachbildschirm töten und töten wir immer wieder/ und wenn die Nacht kommt bete ich für Frieden“)“ und stellt simple politische Fragen. Eindrucksvoll, wie das zu Herzen geht.
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