Die Schweden Peter, Bjorn & John kehren nach ihrem Ausflug in die instrumentale Klangfabrik („Seaside Rock“, 2008) eindeutig in die Welten des stimmigen Indie-Pops zurück. Parallelen zur Gute-Laune-Platte „Writer´s Block“ von 2006 finden sich, wenn auch mit deutlich weniger Instrumentalisierung.
Dass es fast unmöglich ist, einen Hit wie „Young Folks“ zu wiederholen, liegt auf der Hand. Doch gnadenlosen Massenpop zu kreieren, scheint nicht das Credo der Band. Man will mit jedem Album eine neue Seite präsentieren und sich ausprobieren. Und Peter, Bjorn & Johns fünfter Streich ist in der Tat facettenreich. Sie integrieren abwechslungsreiche Elemente und Einflüsse verschiedenster Musikepochen in ihre zwölf Songs.
Auf dieser Platte sammeln sich gewissermaßen Pophits der schüchternen Art, das alles klingt einen Zacken ruhiger. Bei „Just The Past“ tastet sich ein Keyboard vor, doch eigentlich ist es Moréns Stimme, die dem Lied seine Melodie verleiht. Ein ruhiges, nahezu jazziges Stück, mit minimaler Instrumentalisierung liefert das Trio mit „Stay This Way“ und auch der finale Track „Last Night“ wird trotz elektronischer Frequenzen zur Ballade.
Dennoch präsentieren die Jungs auch taktreiche Disco-Stücke. Beispiele dafür sind Ohrwürmer wie „Nothing To Worry About“, der mit Kinderstimmen und Gerassel in die Gehörgänge tanzt oder der noch eingängigere Titelgeber des Albums „A Living Thing“. Da erinnern die Arrangements an den Dschungel und die afrikanischen Rhythmen wecken Trommelgelüste im Hörer. Kombiniert mit der prägnanten Stimme und der Band-typischen Leichtigkeit, entsteht dabei etwas ganz Neues.
Eine andere Dekade besucht das Trio in „I´m Losing My Mind“, bei dem sie durch die Drummachine, mehr aber noch durch den Gitarreneinsatz, nach Depeche Mode klingen. Besonders ausgiebig kommt dieses Gehämmer aber in „Lay It Down“ zum Einsatz. Da zügelt man sich auch nicht mit Worten, wenn es heißt „Hey, Shut The Fuck Up Boy, You Are Starting To Piss Me Off“. Ziemlich ehrlich wirken die Texte auf der gesamten Platte („You Don´t Move Me No More And You´re No Longer Mine. It´s Supprising How Rapidly We Were Changing From You And Me“).
Mit ihrem Epos-Werk von 2006 ist „Living Thing“ nicht zu vergleichen. Auch wenn das Album ähnlich poppig ist, sind die Stücke weniger eingängig. Mangelnde Kreativität kann man dem Trio jedoch keinesfalls vorwerfen.
Jasmin Hollatz
Produktbeschreibungen
PETER BJORN & JOHN LIVING THINGS