Die Boheme von Leinsdorf - eine sehr naturalistisch gehaltene Aufnahme liegt hier vor. Die Qualität der Sänger freilich belangt das kaum, sind doch mit Richard Tucker, Robert Merrill, Philip Maero und Giorgio Tozzi die vier Bohemiens prominent und stimmschön besetzt. Anna Moffo gibt fünf Jahre nach ihrer Musetta in der leider etwas in den Hintergrund gerückten Votto-Einspielung mit Maria Callas und Giuseppe di Stefano nun selber die Mimi, die sie mit strahlendem Sopran und herrlichem Legato ausstattet und auch Marion Costa als Musetta kann sich durchaus hören lassen, wobei ich mir besonders im zweiten Akt gewünscht hätte, sie würde die Partie noch ein wenig mehr aussingen. Leinsdorf leitet das Opernorchester Rom umsichtig und schwelgend durch die Partie und der Begriff schwelgend führt mich nun doch zu einem Kritikpunkt an dieser sonst durchaus schönen Aufnahme. Schwelgend ist nämlich auch der Naturalismus, der dieser Einspielung beiwohnt und sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist. Die Moffo röchelt sich schon sehr durch den zweiten Teil und Richard Tucker gibt dem trauernden Rodolfo doch schon etwas viel Zucker, wenn er am Ende Mimis Tod wie ein Schlosshund beheulen muss. Da wäre vielleicht etwas weniger mehr gewesen...