Zum medialen Gesamtkunstwerk Grace Jones nur ein Satz: Sie war und ist das unerreichte Original und die Vorlage für exzentrische Diven wie z.Bsp. Naomi Campbell.
Jetzt zur Musik: Grace Jones als musikalisches Projekt war eigentlich wie eine Band mit periodisch wechselnder Besetzung. Die ersten 3 Alben waren schicke Disco Alben die teilweise sehr geschmackssicher in Szene gesetzt wurden aber - bis auf die ungewöhnlich dunkle und tiefe Stimme nichts Besonderes. Die 85er ,Slave To The Rhythm' ein reines Trevor Horn Album, und die beiden - bis datto letzten - Studioalben ein mißglückter Versuch die Kunstfigur Grace Jones im Dancefloor House zu etablieren.
Die Dunbar/Shakespeare/Badarou Trilogie von 1980-1982 war aber, dank diesen Musikern wirklick etwas Neues. Wie hier Funk Soul Wave und Reggae miteinander verwoben wurden war nicht nur einzigartig sondern auch besonders effektiv und paßte wie die Faust aufs Auge nicht nur zur Stimme und zum Image von Grace Jones und zu der Art wie Sie diese Songs inszenierte, sondern auch zum Zeitgeist der frühen 80er. Stylish, groovend und trotzdem mit künstlerischem Anspruch waren diese Platten und auf Living My Life (das das kommerziell unerfolgreichste Album aus dieser Zeit war) war der sound den Dunbar, Shakespeare und Badarou erzeugten schon so gut gereift und die Herren aufeinander so gut abgestimmt, daß selbst die schwachen Kompositionen zu überzeugen wußten, weil die Musiker genau wußten wie sie arrangementmäßig diese Schwächen kaschieren konnten. Jones vocals selbst sind hier so distanziert - fast uninteressiert - wie auf keiner anderen ihrer Platten, aber genau das stellt die Musiker und den groove den sie entwickeln so in den Vordergrund. Diese Musik ist cool, im ursprünglichsten Sinn des Wortes, und gleichzeitig ein perfektes, aber eigenständiges und vor allem erstaunlich gut gealtertes, musikalisches Stimmungsbild der frühen 80er. Nein - mehr Substanz gab es 1982 nicht mehr (bis auf ganz wenige Ausnahmen), was leider für die restlichen 80er Jahre auch so bleiben sollte. Wer sich aber heute bei einer Cocktail Party unsicher ist, welche Musik er im Hintergrund laufen lassen soll: Mit dieser Platte können Sie nichts falsch machen.
Ob man das Kunstobjekt Grace Jones musikalisch wiederbeleben kann wird sich in Kürze zeigen, auch ob der - wie man es nach corporate cannibal erahnen kann - düstere triphopige Massive Attack ähnliche sound, heute noch bestand hat. Aber vielleicht gelingt ihr ja wieder ein Stimmungsbild und endgültiges Statement, diesmal zu den späten 00er Jahren.