Einige Rapfan-Generationen, die schon seit geraumer Zeit dabei sind, erinnern sich eventuell noch an die Frankfurter MCs Mad Mic und Calibus Wax, die schon seit den 90ern in der dortigen Szene aktiv sind. Nun haben die beiden Urgesteine sich dazu entschlossen, ein Kollaboalbum aufzunehmen. Dabei alleine sollte es allerdings nicht bleiben, denn wenn man sich die illustre Gästeliste des Projekts ansieht, dürfte so manchem Rapfan das Herz aufgehen. Auf 'Living legends' wurden nämlich u.A. zahlreiche MC-Legenden eingeladen, u.a. Group Home, A.G., Mr. Cheeks oder Sadat X. Somit dürfte die Marschrichtung des Albums deutlich vorgegeben sein: kompromissloser, harter und konventioneller No Bullshit-Rap, wie man ihn aus früheren Tagen kennt. Wer jetzt allerdings denkt, was einem denn die ganzen alten Opas, die schon lange keinen Erfolg mehr haben, erzählen wollen, sollte seine Einstellung nochmal überdenken, denn hier wurde wirklich auf einer Ebene zusammen Musik gemacht und Visionen wurden gemeinsam in die Tat umgesetzt. Das deutsch-amerikanische Musikprojekt funktioniert hier nämlich in den allermeisten Fällen.
Vorab kann gesagt werden, dass hier wirklich großen Wert auf eine harmonische Zusammenarbeit gelegt wurde und nicht einfach nur sinnlos Parts aneinandergeklatscht wurden. Hier passen die deutschen und englischen Rapparts wirklich zusammen und wirken wie aus einem Guss. Was die Beats und Produktionen angeht, werden ebenfalls keine Gefangenen gemacht. Hier wird nicht großartig rumexperimentiert, sondern sich auf klassischen, harten und dreckigen Rapinstrumentals mit massivem Sampleeinsatz ausgetobt, wodurch schon mal garantiert ist, dass das Album einen kompromisslosen und einheitlichen Sound besitzt. Wichtig ist es aber zu betonen, dass das Album nicht rückwärtsgewandt oder gar anachronistisch klingt, sondern wirklich fresh klingt und Spaß macht beim Hören.
Selbstverständlich kann man auf 'Living legends' mit einigen ruffen Battle- & Representertracks rechnen, an denen es hier auch nicht mangeln sollte. Da wäre zum einen 'Never stop', auf dem die beiden Frankfurter sich mit der Bostoner Raplegende Krumb Snatcha zusammengetan haben und wo alle 3 MCs sehr ambitioniert Feuer spucken. 'The word' mit einem Gastpart von Nine fährt die etewas düstere Gangart und redet in bedrohlichem Ton faken Rappern ins Gewissen, die aufgrund der geballten Energie hier wohl oder übel in die Knie gehen müssen. Gemeinsam mit Louieville Sluggah entstand ebenfalls eine sehr gelungene Nummer namens 'Claim they real', wo allein der Beat schon gut ins Ohr geht und sich mit seinen leichten an Down South-Rapmusik erinnernden Klängen auch vom Rest des Albums abhebt, aber eben nicht zu sehr. Mad Mic und Calibuz Wax wissen jedenfalls auch hier, wie sie zu flowen haben, und stellen somit ihre Fähigkeit, sich dem Beat anpassen zu können, erfolgreich unter Beweis.
Es ist aber nicht so, dass hier nur die härtere Gangart bedient wird. Einige tiefer gehende Themen werden auch angesprochen. Mit dem auf 'All eyes on me' gefeatureten Edo G. Wird sich mit dem Ruhm ausgesetzt und welche Schattenseiten er durchaus haben kann. 'Crazy world' hingegen beschäftigt sich Seite an Seite mit Tame One und dem ebenfalls auf deutsch rappenden Texuz mit mehreren allgegenwärtigen Misständen auf der ganzen Welt: Umweltprobleme, mangelnde Freiheit, die Gier nach dem Geld und so weiter und so fort.
Ein paar Tracks können leider nicht so überzeugen, was aber eher an den unspektakulären Beats liegt wie auf 'BK 2 FFM' oder 'My squad' oder schlicht einfach daran, dass die Themenauswahl auf dem Sampler weder die innovativste noch die abwechslungsreichste ist. Allerdings sollte man als sich gut auskennender Rapfan schon im Voraus irgendwie ahnen können, dass hier selbstverständlich bereits bekannte Wege eingeschlagen werden und man das Rumexperimentieren lieber der jüngeren und ungestümen Generation ohne große Berührungsängste überlässt.
'Living legends' ist als Album dennoch ziemlich zufriedenstellend und es auf jeden Fall wert, gehört zu werden. Hier wurde es zum Glück vermieden, dass dem Album ein samplermäßiger Charakter aufgedrückt wird, indem man Rapper für alle möglichen Geschmäcker featuret. Vielmehr gilt es zu erwähnen, dass 'Living legends' wie aus einem Guss wirkt und einen auch die Leidenschaft zum Rappen spüren lässt. Das liegt, wie zu Beginn schon gesagt, einmal daran, dass die meisten Songs harmonisch wirken. Ebenfalls wichtig ist es, dass Mac Mic und Calibuz Wax sich im Vergleich zu ihren US-Kollegen zu behaupten wissen und nicht gegen sie untergehen, da auch ihre Stimmen Präsenz zeigen können und man ihnen ihre jahrelange Erfahrung als MCs jederzeit anhören kann.
Somit kann man dieses Album wirklich empfehlen. Hoffentlich riskieren hier aber nicht nur Leute einen Blick, die schon seit sehr langer Zeit Rapfans sind, sondern auch einige jüngere Hörer, die mehr über das Schaffen einiger Raplegenden lernen und wissen wollen.