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Living Dolls: Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen
 
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Living Dolls: Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen [Gebundene Ausgabe]

Natasha Walter , Gabriele Herbst
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 330 Seiten
  • Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 2 (16. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3810523771
  • ISBN-13: 978-3810523778
  • Originaltitel: Living Dolls
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 56.428 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Wenn sich eine 18-Jährige statt einer Weltreise eine Brustvergrößerung wünscht, scheint etwas falsch gelaufen zu sein mit der Emanzipation. Die britische Publizistin Natasha Walter hat viele junge Frauen nach ihrem Selbstverständnis befragt. Die Antworten sind erschreckend. Zwar glauben die meisten Frauen, sie hätten ihr Leben und ihre Sexualität selbstbestimmt im Griff, in Wirklichkeit aber reduzieren sie sich immer mehr auf ihr Äußeres und sehen allein ihre Attraktivität als Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Auf dieses Lolita-Schema werden die Mädchen schon in frühen Jahren festgelegt. Es gibt fast nur noch rosa Spielzeug für kleine Mädchen, süße "Prinzessinnen" tragen Miniröcke, hochhackige Schuhe und Lippenstift. Junge intelligente Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten lassen sich in Casting Shows öffentlich demütigen. Natasha Walters kritische Bestandsaufnahme schockiert, rüttelt wach und macht eine Auseinandersetzung mit diesem wieder erstarkenden aggressiven Sexismus unabdingbar.

Über den Autor

Natasha Walter wurde 1967 in London geboren. Nach ihrem Studium unter anderem in Cambridge und Harvard arbeitet sie als Journalistin für "Vogue", "The Observer", "The Independent", "The Guardian" sowie für die BBC. Heute ist sie eine der renommiertesten und bekanntesten Feministinnen Großbritanniens und lebt mit ihrem Mann, einer Tochter und einem Sohn in London.

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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Generation Porno 17. März 2011
Von Juli
Als junge Frau des Jahrgangs 1990 bin ich in einer Zeit aufgewachsen, in der vollbusige, kussmundige Barbiepuppe, Kindernagellackstudio und aufreizende Sängerinnen wie Britney Spears die Medien und den Kinderalltag beherrschten.
Auf dem Schulhof wurden Bilder und Videos mit pornografischem Inhalt genauso selbstverständlich wie das Tragen von Kleidung und Make-up mit eindeutig sexueller Botschaft und das frühe Ausüben von Sex. Playboyhäschen zieren Federmäppchen und Notizblöcke, Bücher und Filme über Prostituierte und Skandalnudeln sind gesellschaftstauglich.

Schon lange bewegen mich kontroverse Gedanken zum Selbstverständnis junger Frauen, für die das Aufwachsen und die Findung der eigenen (sexuellen) Identität immer schwieriger wird. Denn viele junge Mädchen scheinen zu glauben, dass Attraktivität und sexuelle Anziehungskraft die Schlüssel zu Zufriedenheit, Erfolg und Macht sind. Diese Attribute sind die als am wichtigsten anmutenden Kompetenzen für junge Frauen.
Natasha Walter fragt nach den Gründen und findet die Antworten in unserer Kultur!

Praktisch immer sehen wir uns heutzutage mit von Männern geschaffenen, pornografischen Inhalten konfrontiert. Frauen gelten als begehrenswert, wenn sie willige, allzeitbereite Gespielinnen verkörpern. Poledance wird Frauen als Spaß an der Körperlichkeit und als die ultimative Stärkung des Selbstbewusstseins angepriesen und das Räkeln an der Striptease-Stange ist solanfähig. Besuche in Lap-Dance-Bars sind alltäglicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens vieler Männer und so normal, dass in vielen Nachbarschaften eine solche zu finden ist. Und wenn nicht, präsentieren sich in unzähligen Diskotheken sowieso Mädels in eindeutigen Posen. Ist die Freundin über den pornoschauenden Freund empört oder fühlt sich dabei unwohl, gilt sie als prüde oder verklemmt. In wie weit beeinflusst dieses übersexte Leben das (Wunsch-) Bild, das Mädchen und Frauen von sich haben, sowie die Beziehung zu Männern?
Ergibt sich ein Druck aus dieser gesellschaftlichen Situation?
Bedeuten all diese Dinge denn wirklich die oft angepriesene sexuelle Unabhängigkeit der Frauen, die völlig freiwillig wählen, sich von johlenden Männern umringt zu entblößen und zur Schau zu stellen? Haben Frauen tatsächlich damit vollkommene sexuelle Gleichstellung erreicht?

Natasha Walter sagt nein und erkennt ein großes Problem unserer Gesellschaft. Sie beschäftigt sich mit vielen interessanten Fragen der Frauen.
Denn sie begreift, dass sexuelle Befreiung auch bedeutet, dass sich die Partner auf gleicher Augenhöhe und mit Respekt begegnen.

Wer sich für selbstbestimmte, weibliche Sexualität und Partnerschaft interessiert, auch Eltern und eigentlich jede Frau sollten dieses wichtige Buch lesen um zu verstehen, was in unserer Gesellschaft schief läuft.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In Amerika ist es bereits Gang und Gäbe, auch in unseren Breitengraden nimmt es zu, dass sich durchaus auch junge Frauen bis jugendliche Mädchen Schönheitsoperationen unterziehen wollen. Ebenso ist der Trend beobachtbar, bereits weibliche Kindern mit Markenmode und High Heels auszustatten. Über die Unsitte amerikanischer Mütter, ganze Wettbewerbe und Modelagenturen mit auf Vamp gebürsteten kleinen Mädchen zu bestücken ganz zu schweigen.

Natascha Walter hat dieses Phänomen aufgegriffen und zum Gegenstand einer breiten und äußerst differenzierten Untersuchung gemacht. Mit einer Vielzahl junger Frauen und jugendlicher Mädchen hat sie Interviews geführt und diese dann auf gemeinsame Nenner hin betrachtet. Mit erschreckendem Ergebnis und ebensolchen Äußerungen von Frauen und Mädchen, die Walter zu dem Schluss bringen, dass eine destruktive Erstarkung des Sexismus in vollem Gange ist.

Früh beginnt diese Determination von Mädchen bereits. Die Fahrt hinauf in den dritten Stock des Kauhauses beschert der Autorin den Zutritt zu einer umwerfenden rot-rosa Welt inklusive Nagelackstudio und einer Boutique für (natürlich rosa) Accessoires. Sie war auf der Ebene des Spielzeuges für Mädchen gelandet.

Im weitere Verlauf des Buches weist Natascha Walter, als Engländerin mit einem Schwerpunkt natürlich auf die Entwicklung in England, minutiös auf, wieweit Mädchen und junge Frauen durch künstliche Bilder weiblicher Schönheit beeinflusst werden.

Das perfide an der gegenwärtigen Situation in den Augen der Autorin ist vor allem, dass dies ein nicht immer völlig bewusster Vorgang ist. Denn im Gegensatz zu den äußeren Auffälligkeiten einer eher entblößenden statt bedeckenden Kleidung, eines verschwenderischen Umgangs mit Make up und, wie erwähnt, einer rasanten Zunahme von Schönheitsoperationen, halten die meisten der Frauen sich durchaus für gleichberechtigt und, vor allem, selbstbestimmt. Offenkundig aber stimmt dies nicht, wenn sich eine Vielzahl, wohl der überwiegende Teil moderner, junger Frauen in weiten Teilen ihres Lebens über ihre äußere Erscheinung definieren und diese breit so gewählt wird, dass sie Männern im Sinne einer sexuellen Anziehungskraft gefallen. Sogar alte, eigentlich als überholt geltende Theorien über einen biologischen Determinismus werden gegenwärtig wieder hoffähig, auch wenn die Autorin solche Weltsichten überzeugend wiederlegt.

Das Buch entfaltet eine eindrucksvolle Kraft und öffnet in vielen Teilen die Augen über einen zunehmenden und auf alle Bereiche übergreifenden Sexismus, zum Glück ohne dass Natascha Walter im Stile einer Feministin nach überholten Ideologien des letzten Jahrhunderts urteilt. Dennoch kann es nicht im Sinne einer sozialen Entwicklung sein, dass Frauen wiederum wie zu mittelalterlichen Zeiten reinweg als sexuelle Objekte reduziert. "Du sollst aussehen wie eine Puppe", berichtet eine Prostituierte und stellt damit klar, dass Männer eine solche künstliche Gestaltungsform natürlich kaum mehr als Menschen sehen. Die aktuellen Vorgänge in Italien zeigen im Übrigen eindeutig auf, wie sehr sich solche gegenseitigen Stilisierungen bereits auf das gesamte der sozialen Gemeinschaft auswirken. Da, wo Ministerposten aufgrund entweder der freizügigen Attraktivität oder aufgrund ehemals sexueller Beziehungen zum Ministerpräsidenten des Landes durch eine klar erkennbare und dem Schema des Buches entsprechende Art von Frauen besetzt werden wird der Idee eine politisch kompetenten Regierung geradezu der Garaus gemacht.

Natascha Walter ist ein durchaus fundiertes, auf Berichten junger Frauen beruhendes, Buch gelungen, das nicht nur Frauen aufrütteln sollte. Natürlich geht es im Buch nicht darum, fortwährend als Frau in Sack und Asche zu laufen (das macht die Autorin auch nicht), aber eine Selbstreduzierung auf rein äußerliche Attribute von Kindesbeinen an kann weder Frauen noch Männern noch der Gemeinschaft tatsächlich von langfristigem Nutzen sein. Ein interessantes und wichtiges Buch nicht nur für Frauen.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
So hatte sich Natasha Walter als Feministin die Zukunft nicht vorgestellt. Die Gleichberechtigungspolitik stagniert und Sexismus ist stärker denn je in der Gesellschaft verankert, so sehr sogar dass biologischer Determinismus und die Reduzierung von Frauen auf ihre Rolle als Sexobjekte fröhliche Urständ feiern. Nur arbeiten viele Frauen mehr oder weniger bewusst daran mit dass die Ideale des Feminismus heute beinahe ins Gegenteil verkehrt wurden und selbst in Großbritannien gerade promiske Celebrities, Nacktmodelle und Prostituierte als Verkörperungen des Feminismus gelten und scheinbar für nicht wenige junge Damen selbst aus der Mitte der Gesellschaft als Role Modell gelten.

Dennoch stand am Beginn von Walters eine sehr persönliche Erkenntnis dass die überwunden geglaubte Trennung in eine rosa- und bläulichfarbene Welt klammheimlich wieder Einzug in die Kinderzimmer gehalten hat und sich die Marketingexperten der Spielzeugkonzerne schamlos dieser Klischees bedient haben. Wenn ein Mädchen heute Gefallen an einer Rolle als Dornröschen findet sie im Spielwaren und Kostümsortiment bereits alles vor um mit der idealisierten Filmfigur zu verschmelzen und selbst zur lebenden Puppe zu werden. Würde es nur dabei bleiben, denn viele der Heranwachsenden richten sich dann am Role Modell Barbie aus und in einer von fortwährender Sexualisierung geprägten Gesellschaft, in der Kinder oft schon nicht mehr Kinder sein sollen und wollen, kann das natürlich auf lange Sicht nicht ohne Konsequenzen ausgehen, so dass Achtjährige mit einem bauchfreien Top mit der Aufschrift "Bitch" längst nicht mehr überraschen. So wird auch das Klagen mancher Lehrer und Schulleiter die heutigen 12jährigen würden sich kleiden wie frühere 16jährige verständlicher, denn die Gesellschaft tut wenig die heutige Jugend vor diesem enormen Sexualisierungsdruck und damit dem Wiederaufkommen des Sexismus in Schutz zu nehmen und das traf auch die Mutter Natasha Walter an einem wunden Punkt.

In ihre Reportage LIVING DOLLS versucht Natasha Walter am Beispiel Großbritanniens diesen gesellschaftlichen Wandel und seiner Konsequenzen nachzuzeichnen. Dabei hat sich Walter bei ihrer Kritik an der Sexualisierung der Gesellschaft nicht nur mit der sexuellen Verdinglichung der Mädchen und Frauen auseinandergesetzt sondern auch den weiterhin kultivierten Mythen, welche sie gegen Ende des Buchs zu dekonstruieren wagt. Zunächst beginnt sie ihren Streifzug jedoch im Londoner Nachtleben, das von jeder Anrüchigkeit befreit seit 2008 mit 300 Lapdance Clubs (in den 90ern war es gerade einmal eine handvoll) aufwarten kann. Doch selbst dort wo "Sex sells" eigentlich nicht zum Geschäftskonzept gehört und man sich noch dem unverfänglichen Verkauf von Alkohol gewidmet hat haben längst Events Einzug gehalten, deren Ziel es ist dem berauschten männlichen Publikum eine feucht-fröhliche Fleischbeschau zu liefern.

Ein solches Event durfte Walter trotz kritischer Blicke der zuständigen PR-Leute tatsächlich besuchen. Für ein professionelles Fotoshooting und die schmale Chance durch ein britisches Männermagazin groß raus zu kommen galt es vor der grölenden Meute zu posieren und sich in letzter Konsequenz auch oben ohne zu präsentieren. Bei ihren Gesprächen mit angetretenen Bewerberinnen ist es Walter gelungen erhellende Einblicke in deren Motivation zu erlangen. Was sind die Gründe sich mit 18 anstatt eines Autos oder einer Weltreise eine Brust-Op zu wünschen, warum streifen sogar junge Mütter an den wenigen "freien" Tagen knapp und aufreizend bekleidet (wenn nicht gar im Playboy-Bunny-Kostüm) durch das Nachtleben?

Fragen über Fragen, die Walter auch mit Interviews von Glamour Modells, Sexarbeiterinnen, Herausgebern von Herrenmagazinen und PR-Agenten zu beantworten trachtet. Dabei stößt sie sich vor allem auch am in den letzten Jahren stark beschönigten Bild der Sexarbeit, bei dem die Faktoren Gewalt und Demütigung gerne ausgeklammert werden und so die Entstehung eines Trugbilds begünstigen, dass das alles für betroffene Frauen nicht so schlimm sei.

Den heutzutage so einfachen Zugang zu Pornografie nennt Natasha Walter als Hauptantriebsmotor für die fortlaufende Sexualisierung der Gesellschaft, welche ja nicht nur ein britisches Phänomen ist. Durch das Wegfallen aller Zugangshürden wird zugleich aber auch der scheinbar schon allgegenwärtigen Softpornografie Vorschub geleistet , welche schon längst so sehr gesellschaftlich akzeptiert ist dass sie gezielt für Werbemotive genutzt wird, um jungen Leuten ein Lebensgefühl und Idealvorstellungen zu vermitteln, die der Wirklichkeit allerdings nicht ferner sein könnten. Doch dieser Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die Zahlen kosmetischer Operationen ist nicht der einzige Ausdruck dieses weit massiveren Problemkomplexes. Der Geschlechtsakt wird zunehmend entwertet und die Verurteiltungsrate bei Vergewaltigungen liegt (zumindest in Großbritannien) nur bei 6%.

Nachdem sich LIVING DOLLS vor allem mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der Rückkehr des Sexismus auseinandergesetzt hat, widmet sich Natasha Walter im abschließenden Kapitel vor allem einer Dekonstruktion sexistischer Mythen und Stereotypen. Etwa dass Frauen schneller sprechen als Männer, wobei die Forschung nur einen insignifikanten Unterschied belegen kann, allerdings dass die Männer sogar eine unmerkliche Spur schneller sprechen würden.

- Resümee -
Bei manchen Teilaspekten greift Natasha Walter je nach Interesse zwar zu kurz, doch ihre journalistische Bravourleistung ein eindrucksvolles Panorama der Rückkehr des Sexismus geschaffen zu haben wird dadurch kaum geschmälert. Dass der ursprüngliche Untertitel "The Return of Sexism" übrigens als "Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen" übersetzt entzieht sich meiner Kenntnis, verfälscht aber ein wenig den Eindruck davon wie Walters LIVING DOLLS Kritik ausgerichtet hat. Manchen der kulturellen Bezüge lässt sich zudem nur schwer folgen, da sich die Autorin sehr stark am britischen Leserpublikum orientiert hat und nur anfangs sehr knapp bemessene Beispiele über Deutschland einbringt.
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