Zu meinen britischen Lieblingsbarden gehörte in den Siebziger- und Achtzigerjahren neben Billy Bragg und Elvis Costello der großartig rauhe Kevin Coyne. Dieser hatte Malerei und Grafik studiert und später etliche Cover seiner mehr als 30 LPs und CDs selbst gestaltet. Nach dem Tode Jim Morrisons 1971 lehnte er das Angebot ab, neuer Sänger der Band "The Doors" zu werden.
Der seit 1985 in Deutschland lebende Kevin Coyne war eher ein Musiker, der die Nähe zu den Fans brauchte und dessen Musik bestens in kleineren Clubs zur Geltung kam. Mit einer ganzen Reihe brillanter Stücke wie "Sunday Morning Sunrise", "Big White Bird", "Knocking on Heaven's Door" und "Ol' Man River" ist diese Live-CD aus dem Jahre 1976 ein äußerst persönliches Vermächtnis. Ich denke sogar, dass über eine Wiederveröffentlichung nachgedacht werden sollte.
Unterstützt wird er hier von Zoot Money am Keyboard, der auch des Öfteren bei Auftritten mit Alexis Korner zu hören war und von Andy Summers an der Gitarre, der wenig später mit "The Police" zur lebenden Legende wurde. Kevin Coyne starb am 2. Dezember 2004 im Alter von 60 Jahren, nachdem er bereits seit Längerem an Lungenfibrose gelitten hatte.