Anne C. Voorhoeve ist eine ganze außergewöhnliche Schriftstellerin, der es,wie sonst vielleicht nur noch Mirjam Pressler, gelingt, Jugendlichen nicht nur Geschichten nahe zu bringen , sondern auch Geschichte. Sie verbindet beides auf eine geniale und sensible Weise. Sie erfindet eine jugendliche Hauptperson und stellt sie in eine historische Situation, die es tatsächlich gegeben hat.
So hat sie unlängst mit der Geschichte von Lilly aus der DDR in "Lilly unter den Linden" ein großartiges Buch geschrieben, dem es gelingt , die Erinnerung an eine Zeit wach zu halten, die nicht nur Deutschland, sondern Europa verändert hat.
Im vorliegenden Buch "Liverpool Street" erzählt sie die Geschichte der elfjährigen Jüdin Ziska Mangold, die mit einem der Kindertransporte, die fast zehntausend jüdischen Jungen und Mädchen aus Nazideutschland herausbrachten, nach London gelangt ist, an den Bahnhof "Liverpool Street".
Als sie dort im Winter 1939 ankommt, ist sie erleichtert und bedrückt zugleich, denn ihre Eltern und ihre beste Freundin Bekka sind noch in Deutschland und von der Vernichtung bedroht. Ziska möchte sie gerne nach England nachholen.
Doch zunächst einmal erwarten sie eine fremde Pflegefamilie, eine fremde Sprache, ein beißendes Heimweh und eine noch schmerzendere Ungewissheit über das Schicksal ihrer Familie.
Der Roman, der ähnlich wie bei den Büchern Mirjam Presslers ( zuletzt "Golem stiller Bruder" und "Shylocks Tochter", hervorragend in das Judentum, seine Religion und seine Bräuche einführt und es so den lesenden Jugendlichen nahe bringt, verfolgt nun das Schicksal von Ziska Mangold bis in die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Was ist aus ihrer Familie geworden ? Haben sie überlebt, oder gehören auch sie zu den Millionen, die "dort" in den Vernichtungslager getötet wurden ? Was wird aus Ziska selbst ? Wo und wie wird sie weiterleben mit einer solchen Geschichte ?
Lesen Sie selbst in diesem wunderbaren Jugendbuch, das ich auch Erwachsenen nur empfehlen kann.