1978 waren Jethro Tull auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Sie waren eine der sogenanten Supergruppen Ende der 70er Jahre. Dieser Nimbus ist heute weitestgehend vorbei, was viele Gründe hat. Diese jetzt alle hier zu erläutern macht wenig Sinn. Vielmehr könnte man die Frage aufwerfen, ob das hier vorliegende Werk ein für damals repräsentatives ist. Nun teils teils muss man wohl konstatieren. Wenn man das bahnbrechende Werk Bursting out nimmt, finde ich die DVD eher schwächer. Wenn man aber die Location Madison Square Garden nimmt mit den 20.000 Besuchern, dann war das damals schon bahnbrechend. 20.000 locken Tull heute nicht mehr an. Das liegt vielleicht auch an der häufigen Möglichkeit, Jethro Tull spielen sehen zu können. Zeitlich passt diese DVD in die Ära Heavy Horses/Bursting out. Viele hatten, ich auch, gehofft, dass mehr Material auf Video vorhanden sei. Aber es scheint tatsächlich nur dieses Broadcast Material zu geben. Das Konzert war damals in zwei Abschnitte geteilt. Vor dem Hintergrund der Liveübertragung auch nach Europa hatte Ian Anderson das alles ein bisschen umgestellt, so dass für die Übertragung die Setlist mit Thick as a Brick als Auftakt vorgesehen war. Insgesamt dauern die vorhandenen bewegten Bilder 50 Minuten und zeigen die alten Tull, leider ohne John Glascock, der krankheitsbedingt durch Tony Williams ersetzt wurde, wie man sie kennt. Agil, absolut beweglich und selbstverständlich Ian noch mit vollem Stimmumfang und allen Haaren ;o) Die Reihenfolge ist bekannt, das Video endet nach Locomotive Breath/Dambusters March. Schade, dass hier die Bilder nicht weiterlaufen oder man wenigstens damals die Aufnahmetaste gedrückt gehalten hat. Anschließend beginnt nämlich John Evan am Klavier und es folgt ein Instrumentalstück mit dem Drumsolo von Barry Barlow als Höhepunkt. Das Konzert wird dann abgeschlossen mit Too old to Rock´n roll und My God/Cross=Eyed Mary. Letzteres ist kein Musthave. Da hat es schon deutlich bessere Versionen gegeben. Abgerundet wird das Ganze noch zu Beginn mit drei Stücken aus Abschnitt 1, Sweet Dream noch ohne Flöte, One brown Mouse und Heavy Horses, ebenfalls nicht in bewegten Bildern. Die bewegten Bilder sind für die Zeit ganz ansprechend. Ein paar Aufnahmen waren schon aus der Zeit aus dem 20 Years Video bekannt. Die Songs, die man nicht auf Video hat, sind mit Standbildern unterlegt. Hätte man etwas ansprechender machen können. Mit dem Sound bin ich auch nicht allzu unzufrieden, schließlich haben wir hier eine Aufnahme aus den 70ern, kommt recht klar, aber natürlich mit heutigen Maßstäben nicht vergleichbar. Zu der DVD gibt es noch die leicht komprimierte CD, im Vergleich zu Bursting Out nun nicht gerade bahnbrechend. Aber was das Ganze so lohnenswert macht, es gibt noch nicht so viele DVD-dokumente aus den 70ern. Dieses hier ist ein wichtiges aus dieser Zeit und deswegen ein Musthave für den Fan. Ich würde gerne mal wissen, was tatsächlich noch in den Archiven schlummert. Vielleicht kommt auf Dauer mal ein vollständiges Konzert aus dieser Zeit.