Irgendwie scheint diese Live-CD von 1984 von Van Morrison fast in Vergessenheit geraten zu sein -- zu Unrecht! Bei einem Live-Konzert im (mittlerweile von der IRA zerstörten) Belfaster Opernhaus spielt Morrison vor allem Stücke aus seinem Album 1982er "Beautiful Vision". Das Belfaster Publikum war begeistert, und das ist kein Wunder: Unterstützt von einer grandios besetzten Begleitband interpretiert Morrison hier nicht nur sein damals aktuelles Repertoire, nein, hier wird improvisiert, dass es eine Wonne ist. Gleich die zweite Nummer, "Dweller on the Threshold", fegt mit unglaublichem "Soul Drive" alle Unkenrufe hinweg, denen zufolge "Live at the Grand Opera House" zu Morrisons schwächsten Alben gehören soll. Anschließend wird es etwas besinnlicher; in "It's All in the Game/You Know What They're Writing About" hört man nicht nur Morrisons charakteristischen Gesangstil im Duett mit seinen Background-Sängern; das gesamte Stück baut sich aus Soul-lastigen Duetten ("Dialogen", hätte ich fast geschrieben) von Stimmen und Instrumenten auf und steigert sich immer weiter bis zu einem elegischen Schlusspunkt. Und so weiter -- jede einzelne Nummer hat ihren eigenen Charakter; mal treten die Jazz-Elemente stärker in den Vordergrund, mal hört man schwärzesten Blues und Soul -- aber immer bleibt Morrisons charakteristischer Stil unverkennbar. Jeder Track ein kleines Juwel.
Am stärksten sind vielleicht jene Nummern, in denen die Post abgeht, woran oft der James-Brown-Saxophonist Pee Wee Ellis seinen Anteil hat: etwa "Full Force Gale", "Northern Muse" oder dem fulminanten Schlusspunkt "Cleaning Windows" -- aber auch das geradezu hymnische "Beautiful Vision", das hier weitaus frischer klingt als auf der gleichnamigen LP, sollte man erwähnen, und -- eigentlich alles, was das beneidenswerte Belfaster Publikum am 11. und 12. März 1983 zu hören bekam. Rave on, Van Morrison!