Ein sehr gutes Live-Testament der Band, das die Plattenfirma 1973, also lange nachdem sich die Band 1971 und ihrem
Layla and Other Assorted Love Songs (Remastered) aufgelöst hatte, auf den Markt warf, um wohl mit der Band noch einmal Geld zu verdienen. Ich kaufte mir das Doppel-Album direkt 1973 und fairerweise musste man sagen , dass es sich nicht um irgendwelche Bootleg-Aufnahmen handelte, sondern um exzellente Live-Ausschnitte aus vier "Fillmore East"-Konzerten der Band, die zudem von Eddie Kramer live aufgezeichnet worden waren.
Diese CD-Ausgabe von 1994, remixed und remastered, ist wirklich klasse gelungen und bietet mit 2 CD's und einer Laufzeit von fast 120 Minuten wohl ein nahezu vollständiges Konzert der kurzlebigen, aber guten Band. Eric Clapton hatte mit Jim Gordon (dr), Carl Radle (b) und Bobbie Whitlock (p/org) wirklich erstklassige Sidemen gefunden, die sicherlich hätten noch mehr gute Platten veröffentlichen können, wenn nicht Drogen und persönliche Konflikte das Aus der Band bedeutet hätten.
Von den insgesamt 13 Titeln sind 6 aus dem damaligen Album
In Concert, die restlichen waren entweder unveröffentlicht bzw. 2 stammen aus der Clapton-Retrospektive
Crossroads. Etliche Titel sind teilweise mit bis zu 18 Minuten sehr lang, aber so war das halt vielfach bei Live-Alben vieler Bands Anfang der 70er Jahre. Die Arrangements, auch die der langen Titel, sind aber insgesamt sehr gut und immer geschmackvoll; die Band war zu der Zeit wirklich gut eingespielt. Und mit Bobbie Whitlock hatte Eric Clapton dazu noch einen beeindruckenden Sänger, der auf vielen der Nummern Harmony-Vocals mit ihm singt, was den immer etwas trockenen Gesang Eric Claptons auflockert.
Und es ist schon beeindruckend, wie die Band z.B. aus dem Clapton/Leon Russel Rock-Blues "Blues Power" nach rd. 10 Minuten in eine (8-Min.) Gänsehaut-Version des Slow-Blues "Have You Ever Loved a Woman" (aus "In Concert") eintaucht. Für mich die beste Version, die Clapton jemals von diesem Titel veröffentlicht hat. Sein Gitarrenspiel insgesamt, wie auch das Solo im Mittelteil ist beeindruckend, kraftvoll, aber gleichzeitig mit dem ihm eigenen Gefühl für den Blues gespielt, wobei Bobby Whitlock perfekte Bluespiano-Begleitung beisteuert.
"Tell The Truth" (11 Min.) erscheint hier in der bisher unveröffentlichten Version aus der Show vom 23.10.1970. Ich finde die Version von "In Concert" (24.10.1970) interessanter, weil für mich druckvoller und vom Gesang her besser. Trotzdem ist es natürlich auch einmal prima, Alternativ-Versionen aus diesen Konzerten zu hören.
Alternativ-Versionen zu "In Concert" gibt es auch von "Why Does Love Got To Be So Sad" (14 Min.) und "Let It Rain" (18 Min.), das zum längsten Teil aus einem (guten) Drum-Solo von Jim Gordon besteht. Klasse ist auch die ("In Concert") Version von "Bottle Of Red Wine" (5 Min.), mit einer Hammond-Begleitung von Bobby Whitlock, der leider - obwohl ein erstklassiger Keyboarder - in dem ganzen Konzert keinen einzigen Solopart spielt. Für mich unverständlich.
Der CD beigelegt ist ein 14-Seiten-Booklet, in dem man Informationen zu der Band und den Konzerten aus dem Fillmore East nachlesen kann. Insgesamt eine sehr gute Wieder-Veröffentlichung und das einzige offizielle Live-Dokument (neben "In Concert") in erstklassiger Sound-Qualität von Derek & The Dominos. Da keine weiteren Konzertmitschnitte veröffentlicht wurden, muss man zumindest eines der beiden Alben haben; echte Derek-Fans haben sowieso beide Alben (auf "Wolfgang's Vault" finden sich weitere Aufnahmen aus dieser Konzertserie vom Oktober 1970 im Fillmore East).
Wenn man noch keines der beiden hat, empfehle ich für den "Live"-Einstieg zu "Derek & The Dominos" dieses Album, wegen der zahlreichen zusätzlichen Titel, der guten Aufnahmequalität plus dem beigelegten Booklet.