Eine hübsche Altherren-Riege hat sich da im Dezember 2009 im New Yorker Birdland eingefunden, und was dann dort zu hören war, ginge gut als Soundtrack zur TV-Kultserie "Mad Men" durch: ziemlich cool und ziemlich gut. Dass die Elder Jazzmen auch einige physiognomische Ähnlichkeiten mit den Serienhelden aufweisen - Charlie Haden (Jahrgang 1937) könnte man sich gut als etwas gereiften Don Draper vorstellen, Lee Konitzs (Jahrgang 1927) Haarschopf leuchtet wie der von Roger Sterling, und Paul Motion (Jahrgang 1931) ginge auch als späte Version des ewig virilen Pete Campbell durch - sei hier nur am Rande erwähnt. Auf feminine Fixsterne wie Peggy Olson und Joan Holloway müssen wir in diesem Zusammenhang leider verzichten; dafür haben sich die Herren einen (aus ihrer Sicht) Youngster an die Seite gestellt, Brad Mehldau (Jahrgang 1970) nämlich, dem die dankbare (und furios genutzte) Aufgabe zufällt, wider den Stachel einer vielleicht allzu selbstgefälligen Saturiertheit zu löcken. Letztere wäre bei Leuten mit dieser musikalischen Lebensleistung zwar vielleicht nachvollziehbar - Musiker von ihrem Kaliber scheinen aber ohnehin dagegen gefeit zu sein, in Ehrfurcht vor dem eigenen Werk zu erstarren. Und wenn sie sich dann mit einem jungen Gipfelstürmer wie Brad Mehldau auf das Feld begeben, dann entsteht in den glücklichsten Momenten eine Symbiose, die jeglichen Altersunterschied vergessen lässt. Also hört man nur noch beglückt dem angerauten, gelegentlich an Archie Shepp erinnernden Ton des Saxofons von Lee Konitz zu, freut sich an Charlie Hadens schränkeverrückenden Bassläufen und Paul Motions gelassen-souveräner Becken"arbeit". Zwar werden auf dieser Produktion leider keine Eigenkompositionen, sondern "nur" Standards gespielt - aber so zum Leben erweckt wie hier wurden die schon lange nicht mehr. Großzügig räumen die älteren Herrn "ihrem Youngster", Brad Mehldau, besonders viel Raum ein, und der hat auf dieser CD einige seiner bisher besten Momente überhaupt: Der Mann ist eine beidhändige Begabung wie wenig andere, und was er im für mich gelungensten, ergreifendsten und mitreißendsten Stück dieser CD spielt, in Sonny Rollins sich hier zu einem rund 15-minütigen Musik-Erlebnis weitendem "Oleo", das allein rechtfertigte den Kauf dieser CD - und ihren Ehrenplatz in jeder Sammlung.