Ich kann die Meinung der beiden Rezesenten vor mir nur bestätigen. "Live at the BBC" ist mit Sicherheit eine der großartigsten Rock-Live-Mitschnitte aller Zeiten.
Die Atmosphäre ist intim und großartig, die Dire Straits spielen ohne viel technischen Schnickschnack - wie in späteren Zeiten - großartige Musik.
Schon das Intro von "Down to the waterline" mit Mark Knopflers geheimnisvoller Gitarre, Ilsleys Bass an den richtigen Stellen und Pick Withers langsam anschwellenden Paukenschlegel-Schlägen auf den Becken ist großartig.
Alle vier der damaligen Besetzung - Mark & David Knopfler, John Ilsley und Schlagzeuger Pick Withers - sind hervorragende Musiker, und schon beim ersten Stück merkt man, dass sie nicht nur etwas von Rockmusik verstehen.
"Down to the waterline" ist ein Rockstücke, doch der Hauptdrive ist David Knopflers Rumba-ähnlicher Gitarrenrhythmus, dazu kommt Ilsleys groovender Bass und natürlich Mark, der über den Rumba-Rhythmus noch Einwürfe legt, die an das Spiel eines Swingpianisten erinnern, und mit seine eher sparsamen, aber fantastischen Licks den Sound erst ausmacht.
Mark Knopfler spielt keinen Ton zuviel, doch gerade das macht sein Spiel so spannend.
Abwechslung - auch, was den Rhythmus angeht - ist für die Dire Straits kein Fremdwort. Nach "Six Blade Knife" im ganz gewöhnlichen Rock-Rhythmus ändert Pick Withers am Schlagzeug den Rhythmus und beginnt mit einem Bossa-ähnlichen Rhythmus, getrieben hauptsächlich von Toms und Bongos und erst später noch vom Hi-Hat - und die Dire Straits spielen eine traumhafte Version von "Water of Love" und von "Wild West End".
"Sultans of Swing" ist natürlich ein Höhepunkt der Aufnahme, Knopfler spielt das Solo haargenau gleich wie auf der Studio-Aufnahme, und es ist trotzdem wieder beeindruckend.
Nach "Lions" - "What's the matter, baby?" - ein etwas schnelleres Stück, geschrieben von Mark & David - und danach "Tunnel of love". Während alle anderen Stücke von einem Livekonzert vom Juli '78 stammen, ist "Tunnel" eine Live-Aufnahme von '81.
Meiner Meinung nach die beste erhältliche Aufnahme der Dire Straits, voller leben und keine spur von der sterilen Studioatmosphäre anderer CDs.
Es ist schade, dass sich die Dire Straits im Laufe der Zeit immer mehr in technische Spielereien und Ideen von einem "perfekten Sound" verstiegen haben, dabei aber im Großen und Ganzen immer langweiliger und nichtssagender wurden.
Es gibt sicher Ausnahmen. Hört man sich etwa die CD "Love over Gold"(82) an, so merkt man sofort, dass sich der Stil radikal geändert hat. Einerseits geht der DS-Sound immer mehr in Richtung Symphonic Rock, andererseits beginnt Knopfler schon mehr mit synthetischen Spielereien.
Stücke wie "Telegraph Road" oder "Love over Gold" sind wunderschön.
Aber spätestens mit "Brothers in Arms" versinken die Dire Straits in einem synthetisch-drögen 80er Jahre Sound. Es gibt sehr wohl schöne Stücke auf "BiA" (mir gefallen eigentlich die meisten sehr gut), aber der synthetische Sound zerstört viel. Auch das Nachfolgealbum "On every street" ('91) überzeugt mich persönlich nicht. Auch "OeS" ist viel zu synthetisch und teilweise fad und ohne Leben.