Schickt es sich, männlichen Besuch im Hausanzug zu empfangen? Darf eine alleinreisende Frau mit männlichen Mitreisenden sprechen, ohne ihnen vorgestellt worden zu sein? Fragen dieser Art sind durchaus Thema dieses Buches. Die moderne Singlefrau hingegen hat wohl ganz andere Probleme, wenn sie heutzutage Herrenbesuch erwartet, und vermutlich wird sie sich eher über die hohen Einzelzimmerzuschläge den Kopf zerbrechen, wenn sie alleine verreist, als über Anstandsregeln bei der Kontaktanbahnung. Welchen Grund sollte es also geben, Marjorie Hillis Ratgeber aus dem Jahr 1936 zu lesen? Da wäre erst einmal der äußerst amüsante und pointierte Schreibstil zu erwähnen, der fast auf jeder Seite für einen Schmunzeleffekt sorgt. Dann ist außerdem festzustellen, dass der Untertitel "Benimmregeln für die vergnügte Singlefrau" ein wenig irreführt, denn mehr noch als um Anstandsregeln ("Anstand ist ein relativ dehnbarer Begriff") geht es eigentlich um die Geisteshaltung, die eine Singlefrau an den Tag legen sollte. Hier kennt die Autorin übrigens kein Pardon: Wer sich länger als einen Monat im Sumpf des Selbstmitleides suhlt, ist für sie schlichtweg eine Flasche. Das mag zunächst einmal hart klingen, doch man verzeiht es ihr irgendwie. Denn auch, wenn dieses Buch in vielen Punkten überholt ist, so sind ihre Ratschläge bezüglich Selbsteinschätzung, Kontaktpflege, Kleidung, Freizeit- und Wohnungsgestaltung sowie Eigenverantwortlichkeit bei der Finanzplanung zumindest ansatzweise auch für die moderne Singlefrau anwendbar und ermutigen, vor allem eines nicht zu tun: sich hängen zu lassen.
Wer dieser pragmatischen Herangehensweise an ein eventuell mit Leid verbundenes Thema nichts abgewinnen kann, hat wenigstens noch die Möglichkeit, einen praktischen Nutzen aus diesem Buch zu ziehen: nach der Lektüre des Kapitels "Damen und Drinks" ist man befähigt, einen Highball oder Martini zu mixen (den man als Singlefrau aber bitte niemals alleine, sondern nur in Gesellschaft genießen sollte!)