WINGER, eine meines Erachtens vielerseits völlig verkannte Hard-Rock-Ikone der späten 80er und frühen 90er, haben sich nach fast 15 Jahren Funkstille im letzten Jahr wahrlich nicht lumpen lassen und mit "IV" ein neues Album und mit "Demo Anthology" eine äußerst interessate Doppel-CD-Collection von Demos aller Hits und vielen unveröffentlichen Tracks auf den Markt gebracht. Nun legen Kip Winger (bass; Alice Cooper), der Guitarist Reb Beach (Dokken, The Mob, Whitesnake, Nightranger), Rod Morgenstein (Dixie Dreggs; Jordan/ Rudess), John Roth (guitar) und Cenk Eroglu (keys; guitar; X-Carnation) noch einen nach und veröffentlichen mit "Live" das erste offizielle Livealbum der Bandgeschichte, nachdem man die Ausnahmekönner bislang vor allem nur auf dem schon recht alten Bootleg "Heartbreak in Detroit" livehaftig bestaunen durfte. Mitgeschnitten wurden die Tracks auf der Reunion World Tour 2007, die Band auch zu einigen wenigen Gigs nach Europa führte.
Da man sich für die Veröffentlichung eines Doppelalbums entschieden hat, bleibt im Hinblick auf die Songauswahl kein Wunsch offen. So werden neben allen großen Hits(z.B. Madaleine, Seventeen, Can't Get Enough, Miles Away usw.), vetracktere und etwas härtere Songs des unterbewerteten dritten Albums PULL (Blind Revolution Mad, Down Incognito, Junkyard Dog) und auch drei Stücke des letzten Outputs sowie ein Studio-Bonus-Track akustischer Art in "Blue Suede Shoes" geboten.
Mäkeln kann man vielleicht etwas an der Mischung, weil jedenfalls die Publikumsreaktionen etwas leise ausfallen. Dafür entschädigen die Musiker aber mit der einen oder anderen Einlage, die man von den Studioaufnahmen nicht kennt. Etwas schade mag es da noch sein, daß die gleichzeitg erschienene DVD mit einer Klasseversion des Songs "Hungry" aufwartet, der auf dem nur separat erwerblichen Tonträger fehlt. Für Fans von Def Leppard, White Lion, Bad English ist dies die Gelegenheit noch einmal in alten Zeiten zu schwelgen und einer Band großartiger Instrumentalisten bei der Arbeit zu lauschen. Im übrigen stehen die Chancen nach den eher dürftig besuchten, aber aber eher mager promoteten Termin in Deutschland schlecht, die Band hier noch mal so bald live bestaunen zu können.
Anspieltipps: Blind Revolution Mad, Rainbow In The Rose, Headed For A Heartbreak