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Live In Tokyozeigt alles was den 34-jährigen Pianisten aus New York so groß macht: ungebremste Emotionalität bis zur Ekstase; makellose Technik als reines Mittel zum Zweck; sein melodischer Stil zwischen verführerischer Melancholie und Feuer; seine unnachahmliche Phrasierung und der tief bewegte, dynamische Anschlag; schließlich eine Kreativität, eine außerordentliche musikalische Kraft, die uns fasziniert - faszinieren muss.
Auf Live In Tokyo zieht Brad Mehldau alle Register. Er beginnt mit einem kurzen Thema, meist ein Standard. Danach kann alles passieren - Mehldau lässt die Töne fließen, lässt alles kommen was kommen will. Impressionismus, Moderne, Jazz, und viel Romantik, jede Bewegung aus tiefstem Herzen, jede Inspiration von Bedeutung. Brad Mehldau ist ein begnadeter Jazzmusiker. Mit dieser Aufnahme zeigt er zum zweiten Mal, dass er ganz oben steht - ganz weit oben. --Katharina Lohmann
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Mehldau geht allerdings einen anderen Weg als Jarrett: Wo letzterer meist (zumindest auf CD) ein Konzert in ein oder zwei große Teile gliedert (Eigenkompositionen) u. als Zugabe oft einen kürzeren Standard spielt, mischt Mehldau hier (bis auf ein Stück) Fremdkompositionen aus den Bereichen Pop u. Jazz. Zum Kernstück des Konzert wird "Paranoid Android" - in knapp 20 Minuten nähert er sich dem Thema (von Radiohead) u. entfernt sich wieder. Auch das eröffnende "Things behind the Sun" (von Nick Drake) stammt aus einem für Jazz-Musiker eher fremden Genre. Doch ist Mehldau überhaupt Jazz-Pianist...
Bei den frühen Mehldau-Aufnahmen hatte ich oft den Eindruck, er strotzt nur so vor Virtuosität und Spielfreude, neigt aber auch zur "Geschwätzigkeit" - den Melodieläufen konnte man kaum folgen u. der Rhythmus war oft diffus. Doch seit der Trio-CD "Different Places" ist Mehldaus Musiksprache vereinfacht, er improvisiert sparsamen u. wirkungsvoller, Texturen u. Klangfarben kommen besser zur Geltung. Auf dieser CD setzt sich dieser Trend fort. Er spielt häufig geradezu lakonisch, behält die Themen oft original bei u. entwickelt daraus organisch Neues.
Die Aufnahmequalität ist umwerfend gut - endlich eine Live-Aufnahme, die den Namen verdient! Der Flügels klingt wirklich nach Konzertsaal u. das Publikum ist zu spüren (sehr wenig Störungen allerdings).
Den Wechsel des Pianisten zum Label Nonsuch läutet Mehldau fulminant mit einer neuen Referenz-Aufnahme im Bereich Solo Klavier ein! Noch ein Tip: Im US-Store von Apple können weitere Tracks des Konzert runtergeladen werden (u.a. "50 Ways to Leave Your Lover"). Dies ist allerdings aus Deutschland nicht möglich...
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