... sehr verspätet, aber immerhin dann doch noch veröffentlicht.
Dieser Konzertmitschnitt von 1976 sollten eigentlich das sensationalle Debüt der Stern Combo Meißen werden, die zu dieser Zeit der absolute Live-Kracher gewesen ist. Dann kam kurz vor der Veröffentlichung die Biermann-Affäre, und die Klaus Renft Combo wurde verboten, und plötzlich ging die Platte nicht mehr. Funktionäre hatten die Hosen voll. "Finlandia"? Liegt Finnland nicht im Westen? Dieser Sibelius ist doch aus dem NSW? Und der US-Ameikaner Gershwin, nö, eine ganze Plattenseite lang "Rhapsody In Blue"? Und ein Zehn-Minuten-Stück gar auf Engisch? Von noch so irgendeinem Ami namens Brian Auger? - Daß diese Aufnahmen musikalisch über jeden Zweifel ergaben waren, spielte keine Rolle mehr. Auf die Schnelle wurde ein anderes Konzert aufgenommen und als Debüt veröffentlicht - ohne Amis und Finnland, dafür mit Russen (Mussorgsky) und Lückenfüllern, um beide LP-Seiten vollzukriegen (und einem verschlüsselten Trauerlied der Band für die verbotene Platte, "Mütter gehn fort ohne Laut").
1996 erreichten endlich die Aufnahmen in Form der vorliegenden CD die Öffentlichkeit. Und siehe da: Das Konzert ist in all seiner Größe nach wie vor ein Brüller. Keyboardgetragener Progrock vom Allerfeinsten, der mächtige Orgelwände, perlende E-Pianos, jaulende und zirpende Moogs sowie pfeifende Was-weiß-ich-was-das-ist-Effekte auffährt; darunter liegt ein knackig gespielter Bass und wuselige Rhythmusarbeit (neben dem Schlagzeuger stand eigens ein Perkussionist auf der Bühne). Man hört deutlich, daß die Band auch schon Emerson, Lake & Palmer und Yes gecovert hatte. Und wer die gern hört, der wird diese Platte lieben.
Wer sich vor den im DDR-Rock manchmal grausligen Texten fürchtet: Hier wird ganz wenig gesungen, und so furchtbar sind die Texte auch nicht.
Dies ist eine Kaufempfehlung für Leute, die intelligente, kompetent gespielte Musik lieben.
Und zum Schluß: Falls sich jemand fragt, wie eine DDR-Band zu den ganzen Moogs und Rolands kam: Der Schlagzeuger und Bandleader hatte einen international renommierten Opernsänger zum Vater. Der war viel im Ausland unterwegs und hatte wohl öfters was Elektronisches im Gepäck. Glücklicherweise!