Nach drei Studioalben zwischen 2000 und 2005 und einer Compilation unveröffentlicher Tracks („Stock" von 2003) legen die ‚bayrischen Pink Floyd' RPWL anno 2005 ihre erste Doppel-Live-CD vor, zusätzlich benannt nach dem Song „Start the Fire" vom 2005er Album „World Through My Eyes", auf dessen Tour die gut 128 Minuten lange Zusammenstellung mitgeschnitten wurde. Obwohl 6 von 17 Tracks von diesem Album stammen und gleich 4 Songs gar nicht von der Band selbst komponiert wurden, kann man den Live-Output dennoch sehr gut als „Best Of" der Jungs aus Freising hernehmen, ohne RPWL bereits gut zu kennen. Denn die Soundqualität ist überwältigend gut. Sie gibt das fantastische Klangerlebnis wieder, mit dem RPWL live auf der Bühne ihre ergreifenden, beinahe hypnotischen Atmosphären oft noch ausgetüftelter und perfektionistischer kreieren als im Studio. Dabei werden RPWL natürlich mit Pink Floyd verglichen - immerhin begannen sie 1997 als Pink Floyd-Coverband - in der Setlist der Live-CD beweisen sie aber eindrucksvoll, dass sie keine PF-Klone, sondern viel eher PF-Erben sind. Am Start sind einige Longtracks, die phasenweise psychedelisch anmuten wie frühe Werke der britischen Prog Rock-Überväter, wie THE GENTLE ART OF SWIMMING oder auch WORLD THROUGH MY EYES. Die detailliert zusammengebastelten sphärischen Gebilde verkommen aber nie zum Selbstzweck - ein Spannungsbogen bleibt immer sehr greifbar, wenn sich die epischen Gebilde von zerbrechlicher Melancholie zu dichten Klangwänden entwickeln. Auch die kompakteren und geradlinig rockenden Songs START THE FIRE, WHO DO YOU THINK WE ARE, TRYING TO KISS THE SUN und das an alte Genesis zur Peter Gabriel-Zeit erinnernde I DON'T KNOW sind zwar sehr eingängig und geradlinig, bestechen aber dennoch durch Gänsehaut erregende Melodien - selbst die Gitarre zaubert ein melodisches Repertoire hervor, dem die Gesangslinien manch anderer Band deutlich nachstehen - und kunstvoller Arbeit mit packenden Atmosphären auf kleinstem Raum. Eine schöne Kombination aus straighter Rocknummer mit atmosphärischem Zwischenpart ist SLEEP. Bei dem ruhigen ROSES tritt Ex-Genesis-Stimme Ray Wilson wie schon auf der Albumversion als Gast in Erscheinung. Er singt auch bei NOT ABOUT US, einem Stück von ‚seinem' Genesis-Album „Calling All Stations", dessen Atmosphäre der von RPWL gar nicht stark abweicht. Als letztes Stück hat sich die Band das großartige HOLE IN THE SKY aufgehoben, für das man die klassische Phase von Pink Floyd mit „The Dark Side of the Moon" und „Wish You Were Here" mögen sollte, aber nicht muss. Der Song wird anders als auf dem Debütalbum „God Has Failed" zusammenhängend als 10-Minüter gespielt. Als Vorgeschmack gibt es ganz zu Beginn im Intro zu SLEEP schon ein paar Takte des süchtig machenden wehmütigen Themas - ein Beispiel für die Variationsfreudigkeit der Band. Zwar werden einige Songs 1:1 zur Albumversion gespielt, die Klänge werden aber abgeändert, indem z.B. bei TRYING TO KISS THE SUN oder der Ballade CRAZY LANE ein paar Keyboardteppiche weggelassen werden, um das Feld dem esang Yogi Langs zu überlassen, der alleine schon eine beträchtlich Bannwirkung erzielen kann. Hierzu sind auch viele auf den Alben verzerrte Gesangspassagen in der Liveversion ‚klar'; und auch ansonsten werden einige Effekte weggelassen, um auf der Bühne eine natürlichere Wirkung zu erzielen. Dies gelingt RPWL sehr überzeugend. Dass im Mix das Publikum nur ganz gezielt und beinahe ausnahmslos nur zwischen den Songs ‚zugelassen' wird, schadet der Live-Wirkung nicht, sondern unterstreicht die ergreifenden Klanggebilde der Soundperfektionisten, bei denen übrigens Gründungsmitglied Chris Postl, das „P" im Bandnamen wieder mit auf der Bühne steht - seit dem Debütalbum war er kein festes Bandmitglied mehr. „Live - Start the Fire" ist die abwechslungsreiche Quintessenz einer hervorragenden Liveband RPWL, die für viele musikalisch da weitermacht, wo Pink Floyd einmal aufgehört haben. Dass das auch Weiterentwicklung bedeutet, beweisen sie neben den beiden recht akkuraten Coverversionen WELCOME TO THE MACHINE und OPEL (ein Song von Pink Floyd-Gründer Syd Barrett, der schon 1968 durch David Gilmour ersetzt wurde) mit ihrer Version von CYMBALINE, das 15 Minuten lang ist gegenüber der Originalversion vom 1969er PF-Album „More", die es auf knapp 5 Minuten brachte. Und auch vor anderen Prog-Giganten ziehen RPWL den Hut: DAY ON MY PILLOW überrascht plötzlich mit einer Textzeile aus Genesis' „I Know What I Like (In Your Wardrobe)", und zum Ausgang von ROSES spielt Tour-Keyboarder Markus Jehle das markante Keyboard-Thema aus „Firth of Fifth". Fazit: „Live - Start the Fire" fängt die fesselnde Live-Atmosphäre mit detailreichem Sound von RPLW nahezu perfekt ein und hat keine Schwachstellen - ein atemberaubendes Album für den Kopfhörer und wahrlich großer Prog Rock.