Klar daß Sony jede erwähnenswerte Live Performance dieses Mannes jetzt verwertet, denn der Goldesel produziert ja schon 17 jahren kein neues Gold mehr. Und auch als eingeschworener Fan fragt man sich dann ob man nach dem Millenium Concert und 12 Gardens auch noch ,Live At Shea' braucht. Wären hier nicht die DVDs enthalten, wüßte man wohl keinen wirklichen Grund sich dieses Produkt zuzulegen.
Aber zur Musik - die setlist ist eigentlich weitestgehend ein Auszug aus ,12 Gardens', die Band ist vermutlich auch dieselbe (die klingen hier allerdings noch besser aufeinander eingespielt). Die Kritik einiger andere Rezensenten an Joel's Gesang kann man aber so nicht gelten lassen; logischerweise klingt der Mann nicht mehr wie vor 20 Jahren, aber was ihm heute an Stimmumfang fehlt, das macht er mit Routine, neuen Phrasierungen und Charme wett, und das ist bei allen Sängern seines Alters so. Ausserdem - nur Joel klingt wie Joel.
Die Duette? Also grundsätzlich ist der Versuch aus New York's heimlicher Hymne einen Swing zu machen ja eine gut Idee, und kaum einer würde sich dazu besser eignen als Tony Bennet, allerdings hätte man dann auch die Musik umarrangieren sollen, denn der Swing-Gesang spießt sich ein wenig mit der Original Begleitung. Garth Brooks tut sich mit ,Shameless' gesanglich ein bißchen schwer, aber die Gitarre ist bei dieser Version hervorragend wie man überhaupt der gesamten Band ein großes Kompliment machen muss (ganz tolle background vocals).
An der Gitarre glänzt dann auch John Mayer auf ,This Is The Time', aber das tut er ja Live bei Duetten ohenhin immer. Bleibt noch der Beatles-Paule, der es mit zwei seiner alten Hadern eh denkbar leicht hat - denkt man - aber da merkt man im direkten Vergleich, daß sich McCartney mit seinen songs im Alter schon entschieden schwerer tut, als Joel mit den seinen.
Die 3 Bonus Performances sind zwar ok, aber Steven Tyler ist mit ,Walk This Way' ebenso überflüssig wie Roger Daltrey mit ,My Generation. Joel's alter Spezi John Mellencamp räumt dann aber mit ,Pink Houses' gehörig ab und macht echt Lust darauf den mal Live sehen zu wollen.
Sehr aufgefettet klingt ,Miami 2017' - mit Streichern und Bläsern, vielleicht schon ein wenig zu viel Pomp, denn eigentlich ist das ja eine fetzige Rock-Nummer, aber diese Eitelkeit sei Joel gegönnt.
Natürlich sind das immer die gleichen alten Schlager und klar wäre es schön, würde man mal wieder Neues oder zumindest bisher kaum live gespieltes veröffentlichen, aber man bekommt zumindest gut bewährtes, hervorragend zubereitet und leicht variiert. Trotzdem wär's jetzt dann mal gut mit Joel Live Alben.
Also dann - bis zur nächsten Billy Joel Live CD. Psst Columbia - wenn ihr euch mit Mercury einigt, könnt' ihr auch noch die Face To Face Konzerte mit Elton ausschlachten ;-)