Die Who blicken nun auf eine Karriere von 38 Jahren zurück. Sie haben über diese lange Strecke auch bedenkliche Phasen erlebt, wo sie Gefahr liefen ihre eigene Revival-Band zu werden.
Diese Zeiten sind Gott sei Dank spätestens seit Ende 1999 vorbei: Die Band präsentiert sich seither bei ihren ausgedehnten Tourneen (überwiegend) auf einem Niveau, dass man ihr nicht mehr zugetraut hätte. Die alte Energie ist zurück und sie scheinen es zu genießen!
Davon zeugt auch dieses CD-Set, das die Who in guter Form präsentiert. Dies gilt für alle Musiker: Den (kürzlich leider viel zu früh verstorbenen) Bass-Magier John Entwistle, Drummer Zak Starkey, der ebenso wirkungsvoll wie unauffällig seinen Job versieht und als erster Drummer geschafft hat, dass wir nicht mehr ständig an das Fehlen von Legende Keith Moon erinnert werden, Rabbit Bundrik an den Keyboards, der bereits seit vielen Jahren auf sehr geschackssichere und effektive Weise den Sound der Who bereichert - und natürlich für den Meister selbst, Pete Townshend, der an zahlreichen Stellen dieses Mitschnitts belegt, dass er nichts von der unglaublichen Energie verloren hat, die ihn für mich zum besten Rythmusgitarristen der Rockmusik überhaupt macht!
Dies grenzt an ein Wunder, verdeutlicht man sich, dass der End-Fünfziger erhebliche Hörprobleme hat. Schließlich wäre da noch Roger Daltrey, der - stimmlich oft todgesagt - beweist, dass er noch sehr lebendig ist und ihm so mancher Gesangspart auf seine unnachahmliche Weise immer noch wunderbar gelingt. Wer sollte die Who-Songs besser singen als er?
Die Gäste auf diesem Set sind überwiegend bereichernd (vor allem Eddie Vedder, der sich als wunderbar stimmiger Duettpartner von Daltrey erweist, Paul Weller und Geiger Nigel Kennedy) und der Sound ist sehr gut. Eine Überraschung, auch für die Besitzer der Albert-Hall-DVD, bieten zwei zusätzliche Songs des 2000er Konzerts (Mary Anne With The Shaky Hand, Getting In Tune) und vier Songs des 2002er London-Gigs an gleicher Stelle. Vor allem die letzten beiden dieser Stücke, Summertime Blues und Young Man Blues, wecken Erinnerungen an das legendäre "Live at Leeds"-Album, da die Who hier tatsächlich eine vergleichbare Energie rüberbringen (ist nicht gelogen!). Also Fazit: Eines der besten Live-Alben der letzten Jahre! Ein Muß für jeden Who-Fan und ein Tipp für jeden Anhänger lauter aber differenzierter und intelligenter Rockmusik!