Wer farbenblind ist, hat es hier schwer : Genau das gleiche Cover wie beim Album SHE" ziert diese Platte, mit dem Unterschied, dass es diesmal rot anstatt blau eingefärbt ist und der Titel dazugeschrieben wurde. Das ist auch die einzige Kritik, um das Fazit vorwegzunehmen, die hier anzubringen ist. Wenige Wochen, bevor GENESIS bzw. die Hälfte davon noch mal den großen Reibach machten, brachte Ray Wilson, die Ehrliche Haut" aus Schottland dieses Album recht flott nach dem letzten Studioalbum heraus. Ein ,richtiges' Live-Album, Aufnahmen von genau EINEM Konzert, nämlich jenem in Bonn vom Oktober letzten Jahres, wurden verwendet. Also kein nerviges Aus- und wieder Einblenden oder Hin- und Herswitchen verschiedener Gigs und übrigens auch kein Akustik-Abend. What you hear is what you saw sozusagen, falls Du auf dem Konzert warst und ungefähr so hat sich das im Herbst 2006 auch in Mannheim abgespielt. Und auf den 78 Minuten (viel mehr geht wohl nicht!) ist nachzuhören, dass in der Harmonie zu Bonn alles dementsprechend hervorragend geklappt hat. Rays Vertrauen in sein aktuelles Werk ist (zu Recht!) sehr groß, so dass er gleich ACHT der 12 Tracks von SHE" aufführt, das ist schon beachtlich. Wobei ich ehrlich überrascht bin, dass Show Me The Way" nicht dabei ist, denn zumindest in Mannheim wurde es gespielt. Sonst alles bestens, der Mini-Hit, die Single Lemon Yellow Sun", die Casting-Persiflage Fame", der kleine Tribut an Iron Maiden in Taking Time" und mehrere Songs in denen uns der Künstler in melancholischen Midtempo-Stücken seine Schwermut und Selbstzweifel mitteilt. Was aber übrigens wieder relativiert wird durch seine stets lustigen Erzählungen zu hanebüchenen Ereignissen, die hier natürlich fehlen. Der ,Rest' wird aufgefüllt von Werken seiner Soloalben bzw. der beiden Projekte davor, Ghost" und Gypsy" etwa von Millionairhead" und klar dass STILTSKINS großer Hit Inside" nicht fehlt. Ohne seine Band, von der nie jemand groß in den Vordergrund tritt, wäre all dies nicht möglich, so sollten der Deutsche Uwe Metzler und Alisdair Ferguson an den Gitarren und die Brüder Lawrie und Ashley McMillan am Bass und Schlagzeug auch aufgeführt werden und in der Innenseite im Faltblatt zu gleichen Teilen abgebildet werden. Und es ist gut so, dass diesmal keine GENESIS Songs dabei sind, es gibt ja schon zwei andere Ray Wilson Live Scheiben, bzw. die RPWL-Live CD, auf der Not About Us" vertreten ist. Man gewinnt den Eindruck, dass Ray Wilson mehr live bei uns unterwegs ist als in seiner Heimat, wo SHE" später erschien, denn die nächsten Dates stehen schon wieder an...
Verdikt : Die rote" ist die perfekte Ergänzung zur blauen"!