Es war einmal eine junge, französischsprachige Kanadierin, die mit ebensolch großem Ehrgeiz wie einer fantastischen Stimme gesegnet war. Andere vor, andere nach ihr verfügten über ähnliche Gaben - es bedurfte schon noch der geeigneten Zutaten für eine große Karriere: Einen gewieften Produzenten, die richtige Plattenfirma, geeignete Songschreiber wie Luc Plamadon oder Jean-Jacques Goldman .
Das Mädchen namens Celine hatte Glück. Sie fand alle, die geeignet waren, ihren Traum vom Ruhm zu realisieren, trat im Mekka des Showbiz, dem Pariser Olympia auf, nahm grandiose, qualitativ höchsten Anforderungen entsprechende CDs wie "D eux" auf, mit der sie Kritiker wie Publikum in Jubelstürme versetzte und krönte ihre noch junge, makellose Karriere mit diesem Live-Mitschnitt, der unter dem Namen "Live a Paris" reussierte.
So hätte es weitergehen können, doch mit dem großen Erfolg kam auch die Gier. Immer mehr wollte sie verdienen, immer strahlender sollte ihr Stern glänzen, immer größer ihr Name auf den Leuchtreklamen stehen. Dazu reichte Europa nun nicht mehr aus. Die ganze Welt sollte es sein - koste es, was es wolle.
Neue Marketingstrategien und Songschreiber, insbesondere aber die Anpassung an den gerade herrschenden Zeitgeist, ebneten den Weg zum Weltstar, der sie tatsächlich wurde. Anfangs schien auch alles gut zu gehen. Ein Song, den ein Film zum Welthit transportierte, davor ein englischsprachiges Album von hoher Qualität mit vielen Adaptionen der frz. Songs, die ihr den verdienten Ruhm gebracht hatten.
Dann aber endete das Glück der Ausnahmesängerin. International zu bestehen setzt nicht selten Konzessionsfähigkeit voraus, die zu Lasten der Qualität geht. Sie, die alles - vor allem dauerhaften Weltruhm - ersehnte, kehrte den begnadeten Songschreibern und Produzenten den Rücken, um sich Mainstreammusikern zu verschreiben, die ihr ebensolche Songs verpassten. Recht gefällig, doch zunehmend gleichklingender, von Produktion zu Produktion seichter werdend, das Einzigartige verlassend bewegte sich das Mädchen Celine, längst ausgebuffte Geschäftsfrau geworden, auf internationalem Parkett, scheffelte das ganz große Geld und bezahlte mit dem Verlust dessen, was ihre Einzigartigkeit ausmachte: Musikalischer Qualität.
Hier endet nun das Märchen und wir lernen mit Wehmut, das diese Gattung keineswegs selbstredend vom Happy-End gekrönt sein muss, solange man es nicht rein finanziell definiert. Wer aber vom Glanz des Song-Text-Stimme-Arrangement-Zaubers, der Celine Dion dereinst auszeichnete, auf höchst genussvolle Weise profitieren möchte, sollte sich dieses Live-Concert aus Paris zulegen. Sie singt alle ihre großen, purer Qualität verschriebenen Hits wie "Pour que tu m aimes encore", "Je sais pas", "J attendais", "Quand on n a que l amour" oder "Un garcon pas comme les autres - Ziggy", verwöhnt mit einer absolut hinreißenden Version von Tina Turners "River deep, mountain high", rockt mit Songs der Güte von "Regarde-moi" oder "J irai ou tu iras", streichelt die Seele mit dem Monsterhit "The power of love". Das alles (und noch viel mehr)tut sie mit einer immensen vokalen Intensität im Zusammenspiel mit einem kongenial aufspielenden, großartigen Orchester auf einer der größten Pariser Bühnen und legt mit diesem Tonträger Zeugnis darüber ab, wie wunderschön es hätte weitergehen können, wenn nicht - aber dazu: Siehe oben.
Sie möchten sich ein Dokument einer insbesondere im Live-Gesang beinahe überirdisch guten Sängerin gönnen? Pure Qualität genießen aus einer Zeit, in der sich die Künstlerin in wirklich JEDER Hinsicht noch genau selbiger verpflichtet fühlte? Sich wohlige Schauer über den Rücken rieseln lassen, emotionale akustische Höhepunkte erleben?
Dann kaufen Sie sich diese perfekt produzierte CD. Es ist eine der wenigen aus meiner äußerst umfangreichen Sammlung, die ich für den Aufenthalt auf der berühmten "einsamen Insel" erwählen würde.
Eine bessere von Celine Dion werden Sie nicht finden.