Mike Oldfield hat im Rahmen seiner 1981er-Tour gezeigt, dass es nicht unbedingt -wie seinerzeit 1979 im Zuge seiner Europatour- eines 50-köpfigen Orchesters bedarf, um seine damals noch hervorragende Musik auf der Bühne umzusetzen.
Mit der Besetzung Mike Frye (dr, perc.), Morris Pert (dr., perc.), Rick Fenn (git, bass), Tim Cross (keyboards) sowie Maggie Reilly (vocals) gelingt es dem Multiinstrumentalisten Oldfield im Rahmen eines relativ kleinen, ja fast schon intimen Konzerts in Montreux die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.
Natürlich durfte zur damaligen Zeit Tubular Bells Part I des legendären gleichnamigen Albums im Konzertprogramm nicht fehlen, wobei ich am Schluss den Einsatz eben jener "Röhrenglocken" vermisst habe. Dieser Part wurde von Maggie Reilly mit ihrer sauberen und notensicheren Stimme übernommen.
Das einzige Manko der Konzert-DVD liegt meines Erachtens in der heutigen Ansprüchen nicht mehr genügenden Bildqualität. Das Bild erscheint mir an einigen Stellen etwas unscharf, man sollte jedoch an die Aufnahmetechnik zu Beginn der 80er Jahre nicht heutige Maßstäbe anlegen.
Das Gesamtresümee fällt positiv aus. Die Musiker zeigen im Rahmen des 105 Minuten umfassenden Konzerts, dass sie wahre Meister ihres Fachs sind, dies gilt natürlich insbesondere für Mike Oldfield, der nahezu spielerisch und mit einer überaus interessanten Fingertechnik der rechten Hand die Saiten zupft. Ein derartig handwerkliches Können sowie eine derartige musikalische Vielseitigkeit ist in der modernen Rock - und Popmusik leider selten geworden.
Vorbei sind die Zeiten von Yes, Genesis oder Pink Floyd. Der breite Massengeschmack, wenn es denn einen solchen überhaupt gibt, verlangt offensichtlich eher nach tanzbaren Pop-Liedchen ohne permanente Taktwechsel und langgezogene Solopassagen.
Leider hat sich Oldfield selbst irgendwann dem Diktat des Marktes gebeugt und ist von seinen epischen Konzeptalben abgerückt. Auf dieser DVD ist er hingegen auf dem Zenit seiner Kreativität und Spielfreudigkeit zu bewundern.