Einmal ganz davon abgesehen, dass es sich bei der neuesten Live-Veröffentlichung der Doors nur um eine Zusammenstellung verschiedener Songs der damaligen Auftritte handelt, also das gesamte Material mit alternativen Versionen nicht dargeboten wird, handelt es sich hierbei vor allem in qualitativer Hinsicht um eine Enttäuschung.
Selbstverständlich, eine Verbesserung des Sounds ist im Vergleich zu diversen Bootlegs der letzten Jahrzehnte deutlich hörbar.
Dem Käufer wird jedoch vorenthalten, dass diese Aufnahmen in weit besserer Qualität existieren.
ZUR ERLÄUTERUNG : Was der Käufer hier angeboten bekommt, ist lediglich eine mehr oder minder gelungene Aufarbeitung von KOPIEN des Master-Tapes.
Jenes ist im Besitz des einstigen Besitzers des Matrix-Clubs, Peter Abrams, welcher besagte Kopien vor etwa 40 Jahren an das Doors-Büro schickte um über einen eventuellen Deal zur gemeinsamen Veröffentlichung zu verhandeln. Das Master-Tape enthält alle Songs in makelloser Klang-Qualität. Kürzlich bereitgestellte Ausschnitte belegen die drastischen Unterschiede im Sound : Kein Rauschen, kein Echo und kein Zischen.
FAKT IST : Ohne die Zustimmung von Abrams als Urheber der Aufnahmen bewegen sich die Doors mit diesem Release auf illegalem Terrain.
Aus bisher unbekannten Gründen kam es aber nie zu einer Vereinbarung, Abrams wurde zu keiner Zeit kontaktiert und wird an keiner Stelle im Booklet der CD erwähnt oder kreditiert. Man verwendete stattdessen das Material, das eigentlich als Hörprobe gedacht war.
FAZIT : Nicht nur Hardcore-Fans der Doors dürfen sich betrogen fühlen.
Da die Auftritte im Matrix als die frühesten Live-Erzeugnisse der Doors gelten, die auf Band festgehalten wurden, und Morrisons Anwesenheit und Intensität hier spürbarer wird als je zuvor, hätte dieses Release alle vorherigen Live-Veröffentlichungen der Gruppe in den Schatten stellen können.
Fraglich bleibt, warum die Doors nicht für die bestmögliche Qualität gesorgt haben, ob eine der legendärsten und erfolgreichsten Bands der Rockmusik finanzielle Einsparungen nötig hatte, deshalb nicht auf das Angebot von Abrams eingehen wollte und sich daher lieber an den Rand der Legalität gewagt hat.
Wenn man bedenkt, dass Doors-Fans in aller Welt jahrelang ein offizielles Release des Materials ersehnt haben, ist dieser Pfusch schwer zu entschuldigen.
Was bleibt ist die Hoffnung, dass wir irgendwann vielleicht doch noch die gesamte Performance in all ihrer Klarheit und Reinheit zu hören bekommen, weil die Doors und alle Beteiligten die Empörung über diese Veröffentlichung, die vor allem in der Hardcore-Fan-Gemeinde deutlich spürbar ist, nicht einfach so an sich vorbeiziehen lassen.