Während andere 70'er Helden Ihre Fans was Live-Alben angeht an der kurzen Leine halten, überschütten Deep Purple Ihre Anhänger jedes Jahr auf's neue mit Veröffentlichungen. Kann man von halten was man will, im fall von "live at Long Beach" ist die Neuveröffentlichung aber (wieder mal!) gerechtfertig.
Für Neulinge: Deep Purple MK 4 waren, abgesehen des kurzen Intermezzo mit Joe Lynn Turner in den 80'ern, die kurzlebigste Inkarnation der Band. Blackmore hatte nach den frustrierenden Stormbringer Sessions und der dazugehörigen Tour endgültig die Segel gestrichen und die Band verlassen.
Nachfolger wurde der überaus talentierte junge Amerikaner Tommy Bolin, der mit Bands wie Zephyr, Energy, James Gang oder mit Jazz-Legende Billy Cobham für offende Münder jenseits des Atlantik sorgte. Nachdem man Bolin rekrutiert hatte, ging's ab ins Studio um ""Come taste The Band" aufzunehmen. Die Meinungen scheiden sich heute noch was das Album angeht, in Zeiten als Deep Purple als reinrassige Hardrock-Band gesehen wurden wirkten die extremen Soul & Funk einflüsse bei vielen Fans befremdlich. Auch innerhalb der Band kriselte es. Bolin und Glenn Hughes freundeten sich schnell an, was auch an der Drogenabhängikeit beider lag.
Kaum war die Tour gestartet, versuchte Glenn Hughes, mit ordentlich Schnee im Hirn, David Coverdale's Rolle als Lead-Sänger streitig zu machen. Das Ergebniss: beide schrien und kreischten wie zwei Irre vor, während und zwischen Songs über die Bühne. Bolin's mittlerweile bedenklicher Heroin-Konsum ließ Ihn bei einigen Konzerten komplett vergessen, das er einer der begnadesten Gitarristen aller Zeit war. Nur die beiden einzig verbliebenen Original-Mitglieder, John Lord und Ian Paice, waren absolute Profis und gaben bei den teils miserablen Shows 120%!
Das die Vorgeschichte zum Album. An dieser Nacht in LA standen alle Sterne richtig, die Chemischen Zugaben waren wohl genau dossiert und die Stimmung im Publikum tat Ihr übriges. Die Band funktionierte.
Die Setlist war zwar im Vergleich zum 1.Teil der Tournee im Vorjahr etwas verkürzt und seltene Songs wie "Comin' Home" oder "Drifter" sucht man vergeblich.
Nach kurzem Tuning geht's fulminant los, BURN überrollt einen fast, auf guten Bootlegs der Tour zeigt sich auch, das die Band mit Ohrenbetäubender Lautstärke zu Werke ging. Doch vermisst man hier, trotz aller Symptathien zu Bolin, den "Man in Black", der dem Stück einfach noch mehr Zunder und Aggressivität gab. LADY LUCK folgt, kurz, kompakt, mit tollen Bolin Solo, fast wie die Studioversion eben. GETTIN' TIGHTER, mit Glenn Hughes am Gesang, ist dann auch fast schon der Höhepunkt des Konzerts. Fast 15 Minuten fegt die Band durch einen Funk-Rock Sturm der extraklasse, viel gejamme, ein überragender Ian Paice und 2 perfekt harmonierende Bolin & Hughes sorgen für knisternde Atmosphäre. LOVE CHILD, auch vom Come taste.. Album klingt ähnlich spannend, hier drückt Jon Lord dem Stück deutlich seinen Stempel auf.
SMOKE ON THE WATER ist dann..irgendwie unnötig. Null Feeling, recht uninspiriert und mit einer eindeutig unter die Kategorie "Geschmackssache" fallende Darbietung von "Georgia on my Mind" lassen das arg verfremdete Stück als Totalausfall verkommen.
LAZY startet mit einem John Lord Solo, der seiner Hammond wieder einmal die merkwürdigsten Töne entlockt. Der eigentliche Song started dann ca. doppelt so schnell, wie die alte MK 2 ihn gespielt hätte. Mal gutes, mal eher uninspiriertes Spiel von Bolin, aber irgendwie interessant, geht's nahtlos in ein (wieder mal Geschmackssache) Drum Solo von Ian Paice.
HOMEWARD STRUT, von Tommy's Solo LP "Teaser" ist dann, je nach Geschmack, nervig oder genial! Viel Funk, Ian Paice mal wieder überwältigend, Bolin spielt wie ein Gott und Jon Lord spielt auf seiner Hammond Sounds, die heute noch Elektro Größen wie Daft Punk stolz machen würden.
THIS TIME AROUND ist wieder Soul pur, welches fliessend in das tolle Instrumental OWED TO G übergeht. Bolins anschließendes Solo ist eine zwiespältige Angelegenheit, irgendwie fehlt der Fluss, auch wenn Bolin einige tolle passagen spielt. STORMBRINGER macht dann seinem Namen alle ehre, eine fantastische Interpretation des Klassikers und am schluß wird's nochmal richtig funky. Als Zugabe gibt's dann HIGHWAY STAR in einer Turbo-Version, auch wenn hier das Original besser klingt, angereichert mit einer Cover des Rock'n Roll classic "Not Fade Away" macht diese Version hier Spass und bilded einen fulminaten Schlußpunkt.
Deep Purple MK IV mögen nicht jedermanns Geschmack sein, wer jedoch mal die alten "klassichen" Deep Purple ausklammert und ein Faible für druckvollen Hardrock mit ordentlich Funk hat, wird sich für ein neues Juwel in seiner Sammlung freuen können. Der Sound ist im Vergleich zur Version von 1995 druckvoller, wärmer und auch lauter, ohne jedoch übersteuert zu klingen. Vorrallem Tommy Bolin klingt wesentlich prägnanter als vorher, Bass und Drums haben mehr "wumms" und Tiefe.
Das Konzert selber hat seine Höhen und Tiefen, allerdings überwiegen deutlich die Höhen. Die vielen Solo-Spots nehmen dem Konzert etwas denn flow, aber, vor über 30 Jahren dachte man halt noch anders über Solo's. Einzig David Coverdale hatte wohl nicht seine beste Nacht, seine Stimme klingt teilweiße arg gepresst und seine lustlose Ansagen lassen vermutem, das Mr. DC mal wieder mächtig angezickt war..
Zu den Bonus Tracks:
Hier ein perfektes Beispiel wie MK IV klangen, wenn nichts stimmte. Die in Springfield MA mitgeschnittenen Tracks würden sogar eine mittelmäßige Deep Purple Coverband die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Einzig Glenn Hughes sorgt für (unfreiwillig) komische Momente, als er erst schimpft wie ein Rohrspatz um dann ein lautes "We need some Cocaine" ins Auditorium zu brüllen. Jaja, die wilden 70'er.....