Nun, ganz so "feurig" wie beim berühmt-berüchtigten California Jam Auftritt, der 1 Monat vorher stattfand, geht es hier nicht zu. Die Bühne blieb diesmal heil und keine Amp's explodierten, aber aufgeputscht durch den durchschlagenden Erfolg des MKIII Lineups in Amerika gingen Deep Purple mit mächtig viel selbstvetrauen auf die heimischen Bühnen.
Nachdem "Live in London" schon anfang der 80'er auf LP erschien, legen Purple Records nun das komplette Konzert nach.(Space Truckin' fehlte auf der LP version..)
In den Alt-ehrwürdigen AbbeyRoad Studios wurde auch der Ton remasterd und zusammen mit der tollen aufmachung (Pappschuber, dickes Booklet...) bekommt der Purple Fan und Rock-Gourmet einen riesen gegenwert für sein Geld.
Purple waren am besten unter druck, eine Situation, an der die Band schlussendlich zerbrach. Zwar wurden David Coverdale & Glenn Hughes in Amerika mehr als freundlich empfangen, allerdings wußte keiner genau, wie die Englischen Fans auf das neue Line-up reagieren würde.
Auch die Tatsache, das die Setlist außer "Smoke on the Water" & "Space Truckin'" nur neues Material enthielt, machte die Lage nicht entspannter.
Doch die Sorgen der Band waren unbegründed.
Mit geradezu frenetischer energie bläst die Band als Opener "Burn" dem Publikum um die Ohren. Angenehm: Glenn Hughes, offenbar noch nicht völlig Koks-vernebelt, hält sich angenehm zurück und nervt nicht mit seinem völlig überzogenen Soul-Geheule.
"Might Just Take Your Life" ist Hard Rock und Boogie pur, hier zeigt gerade David Coverdale mit seiner tief-bluesigen Stimme warum ER den Job bekommen hat.
"Lay Down, Stay Down" ist zwar ganz nett, aber kommt etwas hektisch rüber.
Aber dann : "Mistreated" , das Child in Time von MkIII ließ wahrscheinlich auch den letzten zweifler im Publikum verstehen, das diese Inkarnation der Band mehr als würdig ist. Coverdale at his best und ein völlig losgelassener Blackmore versprühen hier über 10 Minuten kollektive Glücksgefühle und Gänsehaut!
"Smoke on the Water" fällt dann etwas ab, hier vermisst man schon Ian Gillan. Positiv: diese Version kommt etwas aggresiver rüber.
Die letzten zwei Tracks machen dann fast eine ganze Stunde aus; "You Fool No One" , eine der großen Glanztaten dieses Line-Ups versprüht Spiellaune ohne ende. Blackmore zitiert u.a. Hendrix, Ian Paice verprügelt seine Drums das man fast schon mitleid mit selben bekommt und am schluss spielt man noch kurz "The Mule" an. 20 Minuten energie pur!
"Space Truckin'" leutet dann das große Finale ein und als nach 30 Minuten dann nur noch ein fiebsen aus Blackmore's Amp pfeifft, geht eine Band von der Bühne die sich und ihrem Publikum bewiesen hat, das Deep Purple noch eine große Zukunft vor sich haben.
Allerdings sollte es auch gleichzeitig die lezte Tour dieses Line-Ups in England sein. Erst 1976 kehrten Purple in ihr Heimatland zurück, an der Gitarre ein junger und vielversprechender Amerikaner namens Tommy Bolin - es sollte aber leider anders kommen; aber das ist eine andere Geschichte.....