... waren die beißenden Abschiedsworte Mark E. Smiths, als er nach einer knappen Stunde Performance das Hammersmith Palais in London (Tage vor Abriss der Konzerthalle) verließ. So sentimental der Anlass wohl für einige Konzertbesucher war, so pragmatisch war er für Smith, konnte er doch "Post-TLC Reformation!" vorstellen, das 2007 erschienene Studioalbum von New-Wave Legende "The Fall". Das beste seit "Country on the Click" von 2003, wie ich finde. Musiker aus Manchester zum Vergießen auch nur einer einzigen Träne um eine Londoner Konzerthalle einzuladen, ist ein gewagtes Unterfangen.
Ein Live-Album von The Fall zu kaufen wiederum ist ein gewagtes Unterfangen für Fans. Ging das in der Vergangenheit doch oft genug schief. Mieser Sound und fade Songauswahl waren keine Seltenheit, sei es "Seminal Live", "The 27 Points" oder "Live at the Knitting Factory" unter vielen anderen. Aber diese Scheibe hier, dessen Songauswahl auch nicht gerade ein Greatest Hits-Feuerwerk ist, überzeugt schon nach den ersten Takten. Toller Sound, viel Energie, guter Mix und (offenbar) keine Dubs. Ein straffes Konzert. Auch wenn Smith hier kaum einen Satz geradeaus sprechen (geschweige denn singen) konnte. Ich hatte gehört, er hätte das Trinken dran gegeben... ?
Das 7 köpfige Lineup (2 Bässe!) verleiht den Songs Akzente, die man bei The Fall seit Brix Weggang nicht mehr auf der Bühne gehört hat. Die Gitarren sind pointiert und dynamisch. Hier und da ertönen echte Rock-N-Roll-Licks. Die Songs treiben. "White Lighning" klingt entschlossener denn je, "Reformation" ist ausdrucksstärker als auf dem Album, "Bindness" wird vom groovigen Lückenfüller zum Soundgewitter. Die DVD kommentiert das ganze ohne Schnörkel und hebt sich damit von den meisten Konzert-DVDs ab, auf denen die Songs durch Backstage-Interviews zerschnitten sind. The Fall eben. Schlussendlich fragt man sich, ob die CD/DVD auch ohne den Anlass (Palais) erschienen wäre.
Kurzum: Vom Sound aber auch von der Performance eine ganz starke Scheibe. Vielleicht das beste Live-Album der Band. 5 Punkte obwohl einige gute Alben unberücksichtigt waren: Wenn schon keine Juwelen aus den 80ern (bis auf "Right Time"), wo ist das Material aus "Shift-Work", "Infotainment Scan", "Code Selfish" oder mehr von "Country On The Click"? Die Antwort haben wir bereits gegeben: Es war eine Promo-Tour für "Reformation".