Dieses Album treibt mir die Tränen in die Augen. Hier spürt man vollkommen, das "Bob Marley & The Wailers" nicht ein "Frontman" und seine Backing Band sind - sondern Freunde - Schwestern und Brüder.
Jeder in der Band hat gewusst, dass es kein weiteres Konzert mit Bob würde geben können.
Und so haben sie ihn, immer noch voll unbändiger phänomenaler Energie, dort diskret unterstützt, wo man zu deutlich hätte hören können, dass ihm die Kräfte doch ausgehen. Dann singt eben einer mit, leiht ihm seine Stimme, wenn die unsicher wird, wo ihm der lange Atem, bedingt durch die tödliche Krankheit, einfach fehlt.
Ich kann nicht anders, wenn ich einmal in dieses Album hereinhöre, muss ich es bis zum letzten Lied durchhören, ohne "shuffle"-Funktion.
Einer der ganz Großen verabschiedete sich und gab, gerade acht Monate vor seinem Tod, alles.
Zum Musikalischen: Für viele Songs wurden neue Intros gemacht, so dass nicht immer gleich zu erkennen ist, welches Lied kommen wird. Das ist gut, man kann nicht einfach mitschwimmen, man muss zuhören. Es gibt wohl keinen Titel auf diesem Album, den man nicht schon auf dnderen gehört hätte - aber selten in dieser Intensität.
Und doch gibt es ein kleines Manko, das diese Reggae-Veröffentlichung mit allen anderen für den außerjamaikanischen Markt hergestellten gemeinsam hat. Schade. Ich meine, dass jeder jamaikanische Produzent einfach weis, dass die Basslinie im fertigen Mix genau so prominent sein muss wie der Lead-Vocal. Der Bass als Fundament im wahrsten Wortsinn wird von den europäischen und US-amerikanischen Engineers immer abgesenkt, und wenn die Jamaikaner bitter lächelnd hierfür "downmix" sagen, dann ist dies genau der Inhalt ihrer Kritik.
Trotzdem: hätte ich dieses Album nicht schon gleich geholt, ich würde keinen Tag mehr zögern.