Ich muss zugeben, dass ich, wie viele andere Heep-Fans der damaligen Zeit 1977, mit dem Wechsel des Frontmans von David Byron zugunsten John Lawton nicht besonders begeistert war. Heute weiß ich, dass das ein nötiger und unumgänglicher Schritt für die Gruppe war. Die Differenzen, die innerhalb der Band herrschten, hatten sich musikalisch ausgewirkt (das Vorgängeralbum 'High and Mighty' war von Ken Hensley quasi fast im Alleingang zusammengestrickt worden) und es steckten einfach keine Power und keine kreativen Ideen mehr drin.
Heute, fast 30 Jahre nach dem Erscheinen von 'Firefly' klingt dieses Album versöhnlich und gehört nahtlos in die U.H. History. Lawton hatte nie den Anspruch erhoben, Nachfolger von Byron zu sein und in seine Fußstapfen zu treten. Mit seiner charakteristischen rauhen Stimme drückt er dem Heep Sound seinen eigenen Stempel auf.
Los geht es mit 'The Hanging Tree', typischer späterer Heep Sound, bekommt man nicht mehr aus dem Ohr.
'Been away too long' gehört für mich zu den schwächeren Stücken auf dem Album. 'Who needs me' rockt ordentlich los, ist aber allenfalls auch nur durchschnittlich.
Dafür gehört 'Wise Man' zu den schönsten Balladen, die aus der Feder von Uriah Heep / Ken Hensley stammen. Allein hierfür lohnt sich schon die Anschaffung des Albums; - wunderschön.
'Do you know', 'Rollin' on'; - der eine mag's, der andere weniger.
'Sympathy' war die Singleauskopplung aus dem Album, die es meines Wissens nach aber nur in Deutschland bis in die Charts schaffte. Gehört auch nicht unbedingt zu Heeps stärksten Stücken.
Den Höhepunkt des Albums stellt der Titelsong 'Firefly' dar, bei dem Ken Hensley den Leadgesang übernahm. Tempiwechsel, eine schöne, eingängige Melodie und toll arragiert: hier spielen U.H. ihre Stärken voll und ganz aus.
'Crime of Passion' war B-Seite von der Single 'Sympathy' und da gehört dieses Stück auch hin. Für die anderen Bonustracks gilt das, was ich (bis auf wenige Ausnahmen) zu den Bonüssen der Neuauflagen geschrieben habe: Proberaumsound und / oder schlechtere Versionen der regulären Tracks. Sie sind nur etwas für diejenigen, die wirklich alles haben müssen.
Lustig ist, dass sich U.H. mit 'Dance, Dance, Dance' am Discosound a la Chaka Khan o.ä. versucht haben (misslungen).
Fazit: 'Firefly' gehört zu U.H., wie alle anderen Alben auch. Es ist ein Stück Zeitgeschichte für diejenigen, die dabei waren. Ich denke, dass sich wegen der herausragenden Stücke auch für alle anderen die Anschaffung lohnt. Andere mögen ein paar andere Highlights als ich entdecken, schließlich ist alles Geschmackssache. Mir fällt dabei ein Freund aus damaliger Zeit ein, der fuhr voll auf 'Rollin' on' ab; ein Stück, mit dem ich weniger anfangen konnte. In jedem Fall: Anhören!