So schreibt Top-Drummer Jon Hisemann u.a. in seinen Notes zum Album; und für mich hat das seit Erscheinen des Albums immer gestimmt. "Colosseum Live" war das letzte geniale Album (der 1970er) einer herausragenden Band, die ihren Sound aus Rock-, Jazz- und Blues-Elementen mischten.
Die sechs Titel des ursprünglichen Doppel-Albums sind ohne Frage ein Musikerlebnis aus Leadgitarre, Hammond-Organ, Saxophon, Bass, Drums und der gewaltigen Stimme von Chris Farlowe. "Rope Ladder To The Moon" (9 Min.), eine Komposition von Jack Bruce, hat im Mittelteil längere Saxophon- und Hammond-Soli von Dick Heckstall-Smith und Dave Greenslade, während "Skelington" (14 Min.) sehr bluesbezogen von dem Gitarrist Dave "Clem" Clempson dominiert wird.
"Tanglewood '63" (10 Min.) ist ein mehr verschachteltes Stück mit vielen Melodiewechseln und langem Sax-Solo. "Stormy Monday Blues" (7 Min.) und "Walking In The Park" (8 Min.) sind auch beide sehr gut, wie es auch der Bonustitel "I Can't Live Without You" (7 Min.) ist, der bereits 1971 auf das Album gehört hätte.
Besonderes Highlight war für mich immer das 15-minütige "Lost Angeles" mit wunderbarem Gesang von Chris Farlowe und viel Raum für Hammond-Organ und Leadguitar, wobei sich gegen Ende die Band und insbesondere Dave Clempson und Jon Hiseman in einen wahren Temporausch spielen. Besonders bei Jon Hiseman fragt man sich bei fast allen Titeln, wo der seine Virtuosität bei seinem herrlichen Drum-Spiel herzaubert. Ganz große Klasse (wer gerne Drum-Solo mag, sollte sich sein Solo aus "The Time Machine" - 8 Min. live Royal Albert Hall, London 1970 - vom Album
Daughter of Time anhören).
Leider ging die Zeit der Band 1971 erst einmal für 23 lange Jahre zu Ende und die Musiker gingen eigene Wege. Dave Clempson wurde für die nächsten Jahre Nachfolge-Gitarrist von Peter Frampton bei Humble Pie und lieferte auch dort gitarrenmäßig beste Maßarbeit ab. Auch Dave Greenslade gründete eine eigene Band "Greenslade" und Jon Hiseman widmete sich in den späteren Jahren mehr dem Jazz und Jazz-Rock, bevor es in den 90er Jahren zu einer Reunion von Colosseum kam. Dick Heckstall-Smith (sax), Chris Farlowe (voc) und Mark Clarke (b) spielten u.a. auf Sessions für andere Künstler oder produzierten Solo-Alben.
"Colosseum Live" ist eine absolute Kaufempfehlung (*****) und ein wichtiges Album, wenn es um diese Band geht.
Auch ein "Muss" ist das Album
Valentyne Suite - Deluxe Expanded Edition von 1969, das ebenso ausnahmslos gut ist. Das ist aber ein anderes Thema.