ich hab ja ein faible für livealben, ich respektiere den studioprozess als kreativen akt, aber ich finde, wirklich zum leben erwacht rockmusik nur auf der bühne.
und weil man nicht täglich ins rockkonzert gehen kann (und wenn man es doch tut, wird man schasohrat, also taub), gibt es livealben, mit deren hilfe man sozusagen jederzeit ein rockkonzert zu sich nehmen kann.
mir ist es dabei im übrigen völlig wurscht, ob im studio nachbearbeitet wurde - hauptsache, es fetzt gut.
dieses album dürfte nicht allzusehr "geschummelt" sein - denn als es herauskam, hatte sicher niemand von der zerstrittenen partie lust, für overdubs auf 5 bis 10 jahre alten aufnahmen ins studio zu kommen.
dieses ist ein livealbum vom typ "reise durch die jahre", also kein durchgehendes konzert, die aufnahmen stammen von 1987 bis 1993, zum großteil aber von den tourneen zu "use your illusion". sound und mix sind für meine schweinsohren ganz ausgezeichnet - die echten konzerte dieser jahre habe ich dagegen als klangliche gatschwanderung im gedächtnis.
was dieses album aber für mich zu einem echten bringer macht: die spielen hier wirklich saugut. vermutlich hatte man auch viel material, um das beste auszuwählen. duff groovt ganz fantastisch (erstaunlich, wie er das schafft mit seinem auf kniehöhe hängenden bass), slash spielt einwandfrei und inspiriert, sehr gut unterstützt von izzy/gilby. und axl roses gesang geht sich hier grad noch aus, das krächzen und quietschen hat noch charme, das röhren noch kraft, noch ist er keine selbstparodie.
höhepunkte gibt es hier viele. etwa das hinreißende "estranged" - beim "the storm was getting closer"-teil kriegt man tatsächlich eine gänsehaut. oder das zu einer nie langweiligen oder eitlen, spaßigen jazz-session ausartende "move to the city". oder die nachdrücklich abhebende "rocket queen" ...
unpassend und dem lapidaren original keineswegs gerecht werdend finde ich nur die leere, aufgeblähte "knocking on heavens's door"-variante.
die songauswahl ist an sich toll - es gibt keine füller. "civil war" und "live and let die" hätt ich mir noch gewünscht. und dass "coma" nur auf der japanischen ausgabe drauf ist, ist ärgerlich.
ganz kurios: im booklet werden als band neben axl, slash und duff steven adler und izzy stradlin aufgeführt. matt sorum und gilby clarke, die auf dem großteil der songs zu hören sind, sind nur als "additional musicians" aufgeführt. dafür steht dizzy reed - ebenfalls erst seit illusion-zeiten dabei, wieder als vollwertiges bandmitglied.