Kurzbeschreibung
Je länger man die hiesige Kabarettszene beobachtet, desto klarer wird eines: Der Mann mit der Pauke war ein Phänomen der Frech- und Unverfrorenheiten, ein Phänomen das bis heute keine Entsprechung oder gar eine gleichwertige Weiterentwicklung erfahren hat. Sogar der spätere Wolfgang Neuss selbst, konnte nie mehr das funkelnde, vor Geist, Witz und Nonkonformität sprudelnde Niveau seiner frühen Jahre erreichen.
Darum eine Doppel-CD namens Live im Domizil vor, die die drei legendären LP-Klassiker, aus zwei Programmen zusammenfaßt: - Das jüngste Gerücht - Asyl im Domizil - Marxmenschen. Die drei LPs entstanden in den Jahren 1964-68 und haben eines gemeinsam: Sie präsentieren das beste Kabarett, das in Deutschland jemals auf die Bühne gebracht wurde!
Neuss war in jener frühen Phase einfach unglaublich: Er hat Einfälle, die ihm scheinbar davonrennen, er greift sich aus seinen Texten Worte heraus, dreht und wendet sie, manipuliert an ihnen herum und schließlich ist ihr Sinn verdreht und ihre Bedeutung umgepolt. Und das alles in diesem so typischen Stakkato, diesem pausenlosen, manchmal fast beängstigenden, immer aber genialen Tempo, das nur er beherrschte. Er verzichtete damals auf das genre-typische Aufbauen eines "Buhmannes", das war sein Kabarett nicht. Sein Feind war die Lethargie der Bevölkerung, das ,,gesunde Volksempfinden". Ihn brachte eher das Phlegma der Menschen auf der Straße in Weißglut. Neuss klärte auf, aber nicht mit dem erhobenen Zeige-, sondern eher mit dem gestreckten Mittelfinger... Seine Art zu informieren, Hintergründe auszuleuchten, zu analysieren und zu diskutieren war so unorthodox wie (phasenweise) brüllend komisch. Neuss war der Satiriker unter den Kabarettisten, er war ein Ausnahmesatiriker. Geschliffen in der Diktion wie in der Logik seiner Texte - bis heute unerreicht!