Wenn Singer-Songwriter ihre gitarrenbasierte Musik plötzlich mit pompösen Arrangements vershen, geht der Schuss nicht selten nacxh hinten los. Ein gutes Beispiel dafür wäre der Versuch, Amy Macdonalds Musik orchstralisch zu unterlegen - die Plattenfirma fand die Idee großartig, die Künsterlin selbst eher weniger; das Resultat gab ihr recht.
Anders dieser Versuch. Tina Dico ist längst kein Geheimtipp mehr - die Dänin füllt heutzutage binnen kürzester Zeit auch die mittelgroßen Hallen, der Vorverkauf für ihre Deutschlandtour nächstes Jahr im Oktober läuft - und zwar ziemlich rasant. Zu hören sein wird sie dort wieder mit Band - hauptsächlich aber mit ihrer eigenen Gitarre, ihr Sound ist letztlich dann doch primär akustisch. Um so mehr überrascht ihr aktuellstes Projekt. Zusammen mit dem DR UnderholdningsOrkestret hat sie 2010 und 2011 mehrere Konzerte in Kopenhagen gegeben und ihre Songs in einem klassisch anmutenden Arrangement präsentiert - mit einem beeindruckenden Ergebnis. Die Umsetzungen von Songs wie "Count To Ten" oder "He Doesn't Know sind interessant, anders, atemberaubend, aber nie schwülstig. Es gibt nur wenig Momente, in denen die Darbietung ins Banale abzurutschen droht - es letztlich aber nie tut."
Das vorliegende Album ist ein Album, das man laut hören muss. Laut, im Dunkeln, auf dem Fußboden liegend. Dann entfalten sich die vielen Schichten der Dico-Songs am besten. Highlights neben den beiden genannten Stücken sind die extra für diesen Anlass komponierten Lieder "They Should See Me" und das neue "True North", sowie das großartige "River Of What's Been". Das eigentliche Highlight dieser Sammlung kommt jedoch ganz ohne Orchester aus - "The Road", einen Song, dne ich nie so wirklich mochte, stellt alles andere in den Schatten und zeigt, dass Tina Dico letzlich mit ihrer Gitarre (und Helgi Jonsson) immer noch am besten ist. Die Orchester-Stücke schmälert dies aber keineswegs, vor allem dann nicht, wenn man sich die DVD ansieht. Die etwa einstündige Filmfassung des Konzerts ist eindrucksvoll gefilmt, großartige Bilder, die das Musikerlebnis untermalen und nicht dominieren.
Einziger Minuspunkt: Weder die DVD noch die CD geben das Konzert vollständig wieder - das ist schade, da beide Medien noch genug Platz geboten hätten und der Aufwand, der hinter einer solchen Orchester-Produktion steht durchaus in seiner Gesamtheit hätte festgehalten werden sollen.