Das Studioalbum Thread - das zündete nicht gerade. Zu sehr schienen beide Musiker in einem engen Raum aus esoterischem Gewaber und umherrschwirrenden Flötenklängen verfangen. Außerdem dürfte der ein oder andere, nach den unzähligen Soundscape Veröffentlichungen des verschrobenen Engländers, der übrigens ganz vorzüglich gut Gitarre spielen kann und immer noch zu den außergewöhnlichsten, wenn nicht besten der klampfenden Zunft unserer Zeit gehört, etwas innovativeres von Fripp erwartet haben. Schließlich ist der Mann nicht nur Musiker und Gitarrist, sondern selbstredend ein Innovator. Punktum: Auch das vorliegende Live-Album von Travis & Fripp basiert größtenteils auf Soundscapes - das sind mit Hilfe eines Gitarrensynthesizers und Delay-Effekten gemalte ausufernde Klanglandschaften. Nur eben, das Fripp nicht selten und mit hoher Intensität die geschaffene Ruhe durchschneidet und mit seinen berühmten Soli (ich erinnere dabei auch an die Hookline zum Alltime David Bowie Hit "Heroes")deutliche Kontrapunkte zum lyrischen Spiel des Flötisten und Saxofonisten Theo Travis setzt. Das tut gut. Bemerkenswert ist auch das Zusammenspiel der beiden, dass an Homogenität und Dynamik nur schwer zu toppen ist. Hinzugefügt werden muss noch, dass alle Stücke, mit Ausnahme des King Crimson Klassikers Moonchild, frei improvisiert sind. Das dürfte jedoch auch geübten Zuhören kaum auffallen. Noch eins möchte ich anfügen: Um diese Art von Musik zu genießen, sollte man sich etwas Zeit und Ruhe nehmen. In diesem Fall lohnt es sich.