1. Juli 1998. In Midtown Manhattan, Ecke 57. Straße und 7th Avenue, erleben begeisterte Zuschauer den Auftritt des Buena Vista Social Club. Ein musikalisches Ereignis, das Schlagzeilen macht. Das ausverkaufte Konzert findet in der New Yorker Carnegie Hall statt. Hier einmal zu spielen, ist so etwas wie der Karrieretraum eines jeden Musikers. "Der Buena Vista Social Club", schreibt John Pareles in der New York Times vom 3. Juli d. J., "schaffte es gleich mit seinem Debüt in den Vereinigten Staaten". Der umjubelte Auftritt wird auf der vorliegenden Doppel-CD dokumentiert. Da es sich um einen Life-Mitschnitt handelt, ist die musikalische Qualität der Aufnahmen naturgemäß schlechter, als auf dem Studioalbum Cooders von 1997. Mich stört das nicht, denn die Scheibe gibt viel von der überschäumenden Stimmung jenes Abends wieder. Es finden sich aber bereits Kritiker, die meinen, Ry Cooder hätte viel zu lange mit der Veröffentlichung des Konzerts gewartet. Ich finde es müßig, darüber heute zu debattieren. Natürlich sind mehr als 10 Jahre nach dem legendären Konzert vom 1. Juli 1998 vergangen. Aber jetzt sind die Aufnahmen da, freuen wir uns doch einfach über die unerwartete Wiederbegegnung mit den großen alten Herren des kubanischen Son. Außerdem, wer hätte diese CD 1997/98, auf dem Höhepunkt der Euphorien um den Buena Vista Social Club, wirklich vermisst? Viele, sehr viele, hatten ja auch den Film von Wim Wenders gesehen, im dem Aufnahmen von Konzerten der Band in Amsterdam und New York enthalten sind. Insofern hat Ry Cooder mit seiner neuen CD wieder (fast) alles richtig gemacht und die Qualität seiner inzwischen vergoldeten "Buena Vista Nase" erneut unter Beweis gestellt. Das Studioalbum von 1997 wurde bis heute weltweit 8 Millionen Mal verkauft. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dieser kommerzielle Erfolg nicht wiederholbar sein wird. Wen sollte das stören? Mich nicht! Doch zurück zur Musik. Ich finde, einer der schönsten Songs ist "Quizás, Quizás" mit Omara Portuondo. Er allein war mir den Kauf der CD schon wert. Zum Schluss sei daran erinnert, dass einige der Hauptakteure dieses Abends nicht mehr unter uns weilen. Compay Segundo, der "Maximo Leader des Son", starb am 14. Juli 2003 in Havanna. Rubén Gonzaléz folgte ihm am 8. Dezember desselben Jahres, Ibrahim Ferrer am 6. August 2005. Diese CD ist eine wunderbare Erinnerung an sie.