ich hab mir das album mit 14 gekauft - und sofort wieder verschenkt. zu sehr taten mir sound und musik in den ohren weh. heute, an leib und seele gereift und mit harter haut auf dem trommelfell ausgestattet, sehe bzw. höre ich das ganz anders.
"bootleg" ist meiner ansicht nach nichts anderes als das einzig relevante live-album von aerosmith. und genau in dem wirklich blutig rohen sound (zwar wurde hier digital der staub weggeblasen, aber das macht die sache fast noch brutaler) liegt der wert dieser mitschnitte: so klang eine fantastische liveband damals eben. so war, liebe kinder und enkel, rock einmal: unsauber, drastisch, roh und wichtig.
erstaunlich ist ja, dass die herren damals, ende der siebziger jahre, überhaupt ihre instrumente in betrieb nehmen konnten, waren sie doch unterhaltungschemikalisch stets bis unter die augenbrauen vollgetankt. "gut" im technischen sinn spielen sie eh nicht, hier gibts hunderte fehler und hacker und schnitzer - dafür spielen sie gut im gefühlten sinn. das zeug groovt und rollt und arbeitet, die brachialen interpretationen sind das, was die songs verdienen. erstaunlich ist die offenbar beim soundcheck mitgeschnittene version von "come together": wie mit der flex aus einem brocken beton herausgeschnitten steht das ding so massiv im raum, wie es sich john lennon vielleicht gewünscht hätte.
dass sie sehr wohl gefühl hatten, beweist "dream on" (die mit abstand beste version dieses songs): ergreifend, aber schlicht, effektvoll, aber nicht anbiedernd. dieses stück blutet!
kurios: auch auf dieser neuauflage des albums fehlt - das hinreißend gespielte - "draw the line" im tracklisting!
das vielleicht authentischste dokument der "ersten" aerosmith, der großen, bösen, unentgifteten. großes kino!