Vladimir Horowitz war ein Perfektionist. Sein Klavierspiel macht ihn beispiellos, vielleicht war er der wichtigste Pianist des 20. Jahrhunderts.
Manchmal war seine Spielweise (oder war es die Interpretation?) nicht perfekt, und auch das machte seine Konzerte so interessant.
Am Sontag, dem 9. Mai 1965 trat er nachmittags gegen 15.30 Uhr in der Carnegie Hall in New York auf, wo er zuletzt im Februar 1953 gespielt hatte. Die fast 3000 Karten waren innerhalb von zwei Stunden verkauft. Horowitz wurde umjubelt. Er spielte ein ungefähr zweistündiges Programm, natürlich Scriabin, aber auch Schumann, Débussy und Chopin.
Nur wenige konnten dieses legendäre Konzert miterleben, aber es gab bald einen so genannten Live-Mitschnitt, in dem auf wundersame Weise die kleinen Schnitzer plötzlich verschwunden waren. Horowitz hatte einzelne Taktsequenzen im Studio nachgespielt.
Nun liegt erstmals der Originalmitschnitt auf CD vor, und nun ist es für den Besitzer moderner moderner Stereoanlagen auf einmal (fast) so, als wäre er damals 1965 dabei gewesen. Es ist ein Phänomen, wie sich dieser großartige Künstler beispielsweise ganz am Anfang bei Bach/Busconi "verspielt", und dann doch noch "die Kurve kriegt", und es geht geradezu traumhaft-perfekt weiter.
Die Doppel-CD enthält eine ebenfalls interessante ca. zehnminütige DVD mit Material aus dem Film "Vladimir Horowitz: The Last Romantic".
Wer in seinem CD-Regal die drei cm Platz hat, die diese CD beansprucht, der sollte sie in seine Sammlung aufnehmen. Enttäuscht wird er damit sicher nicht, selbst wenn andere drei cm weichen müssten.