Bemerkenswert breit ist das Spektrum, in dem sich die 27-jährige Norwegerin Hanne Hukkelberg musikalisch bisher bewegt hat. Mit drei Jahren hat sie angefangen, ein Instrument zu spielen und ist dann während ihrer Jugend durch die unterschiedlichsten musikalischen Genres getingelt: In einer Metalband hat sie gesungen, Jazzgesang hat sie an der norwegischen Musikakademie in Oslo studiert, aufgetreten ist sie mit Jaga Jazzist und den Xploding Plastix. Sie selbst beschreibt ihre Musik, die sie derzeit macht, ironisch als "windswept eccentric pop meets dusty jazz" und versieht die Einordnung augenzwinkernd mit einem Fragezeichen. Die Kritiken zu ihrem ersten Album "Little Things", das 2003 erschienen ist, tun sich dementsprechend schwer mit einer Einordnung, rücken sie gesanglich gerne in die Nähe von Billie Holiday oder der für eine Skandinavierin unvermeidlichen Björk. Mit letzterer teilt sie zumindest die Lust am klanglichen Experiment, obwohl sie ansonsten stimmlich nicht allzu viel Verwandtschaft hat.
"I was a lovely hunter / With just fingers and a palm / I'd hunt a dust through a gentle breeze / And grab it between the point and thumb / I raised a dust, started the search / The more I tried the harder it became / But when I sat down, it fell into my hand" Was die Zeilen des zweiten Tracks "Searching" hier beschreiben, könnte gut auch die Geschichte des Albums sein. Zwei Jahre verbringt Hanne Hukkelberg damit, sich auf die Suche nach Klängen zu machen, die man den kleinen Alltagsgegenständen entlocken kann. Pfannen, Töpfe, Weingläser und Fahrradspeichen versammelt sie um sich und fügt sie zusammen zu einem harmonischen Gesamtklang mit den alteingesessenen Instrumenten, feinziselierte Songperlen entstehen, in denen man sich verlieren kann, so sehr sind sie mit einer Liebe zum kleinen Detail arrangiert. Das Alltägliche mit neuen, ein wenig träumerischen und kindlich-verspielten Augen zu sehen, ihm neue Aspekte abzugewinnen, das ist das Leitmotiv, das dem Album auch textlich zugrunde liegt. Ein Konzeptalbum in positivem Sinne.
In "Balloon" begibt sich Hanne auf die Reise in die Lüfte, wird von einem Ballon entführt, der ihr erlaubt, die Dinge auf der langsam kleiner werdenden Erde mit anderen, distanzierteren Augen zu sehen. Auch die groß erscheinenden Dinge sind aus einer anderen Perspektive gesehen wieder klein. Spielerisch durchläuft auch der Track unerwartete Wendungen, die anfängliche Sparsamkeit wandelt sich in eine schwelgerische Üppigkeit und bleibt dabei doch immer von einer unangestrengten luftigen Leichtigkeit.
Die besondere Kunst, die Hanne beherrscht, ist, all die Lust am Experiment nicht ins rein Versponnene abgleiten zu lassen. Die kleinen exzentrischen Details stehen immer im Dienst des Ganzen, sind wohlüberlegt eingesetzt und sie untermalen die kleinen Geschichten, die die Texte erzählen, manchmal fast schon naturalistisch. So meint man bei "Cast Anchor" das Wasser, auf das Hanne tagträumend von den darin verborgenen Wunderwelten blickt, auch klanglich in der irisierenden Lap-Steel-Gitarre zu hören. Und wie bemerkenswert ist die Stimme von Hanne, die traumwandlerisch schwebend über den Klängen gebettet liegt und in keinem Moment aufgesetzt oder gekünstelt wirkt. So nimmt man ihr auch die Wandelung in den Lebemann auf dem Track "Ease" ab, der über seine Frauengeschichten leichthin redet und sein Leben auf kleinen Lügengeschichten aufbaut.
Alles in allem ist "Little Things" ein Kleinod von einem Album, das man langsam und mit einem Auge für kleine musikalische Entdeckungen erkunden sollte, das viel Spaß macht und das mit viel Liebe und Hingabe arrangiert ist. Wie Louis Gray im Wire vermerkte: "Little Things is rooted in the strength of an extraordinary ordinariness and that's what makes Hukkelberg's album so compelling."