Winsor McCays Kunstfertigkeit in einer Rezension vorzustellen, käme nach Athen getragenen Eulen gleich. Denn nur wenn man seinen Namen kennt, wird man auf dieses Buch - und dadurch auf meine Rezension aufmerksam. Herkömmlichen Lesern von heute wird er wohl leider kein Begriff mehr sein.
Obwohl der Künstler einer der bahnbrechenden Comic-Zeichner für Zeitungsseiten war, ist er heutzutage wohl nur noch Comic-Begeisterten und -Sammlern ein Begriff. Herausragend - und mit einem gewissen Nachklang bis heute - ist seine Serie "Little Nemo (in Slumberland)". Schön, dass nun der Bocola-Verlag eine großfarmatige, gebundene teils 4-farbige, teils schwarzweiße Ausgabe der McCay-Serie "Little Sammy Sneeze" für wenig Geld herausgegeben hat.
Dass zu der Zeit, in der die Seiten ursprünglich erschienen (im Jahre 1904), der Humor ruhig naiver als heutzutage sein durfte, sieht man den liebevoll restaurierten Comics an. Denn eigentlich besteht die ganze Serie aus nur einem Running-Gag. Sammy muss niesen. Dieser Nieser kündigt sich in den vorhergehenden Panles an, entläd sich als Gag und Sammy wird unsanft per Fußtritt aus der Seite "herausbefördert".
Rein inhaltlich ist somit eher wenig geboten. Umso feiner sind aber McCays Zeichnungen. In ihnen kann man problemlos schwelgen und sich in andere Zeiten führen lassen. Kein Comic zum Schenkelklopfen und für hohen "Graphic-Novel"-Anspruch, aber ein äußerst schmuckes Zeitdokument und für Comic-Historiker ein sehr ansehnliches Buch. Kaufen!