Tom Holt schreibt schon seit vielen Jahren lustige Fantasy, und zeichnet sich durch seinen Ideenreichtum aus. Die skurrilen Fantasiewelten, die in seinen Romanen in unsere echte Welt einbrechen, die (im positiven Sinne) unsinnigen Ereignisse, die karrikaturartigen Figuren und all die frappierenden Einfälle, mit denen die Geschichten gespickt sind. Dabei gelingt es ihm gut, seine Ideen sprachlich umzusetzen und viele lustige Metaphern und Vergleiche einzufügen.
Zugegeben, bei seinen älteren Romanen hatte er noch Probleme mit der sprachlichen Umsetzung, in den letzten Jahren ist er aber sehr gut geworden und eine echte Bereicherung für das Genre.
„Little People" ist noch in anderer Hinsicht anders: Es ist... na ja, es ist romantisch. Es ist keine Schnulze, dieses Buch beinhaltet ein guten Teil abgedrehten Tom Holt wie man ihn kennt. Der Humor drängt einen etwas mehr zum Schmunzeln als zum Brüllen (obwohl es auch zum Brüllen ein paar geeignete Stellen gibt), und zusätzlich ist es, wie nennt man es - es ist bezaubernd. Das Liebesthema, das sich hervorragend in die Holtschen Fantasy-Verrücktheiten einfügt, ist hier nicht nur ein Lachmuskelkitzler, es wird stellenweise romantisch beschrieben, wodurch der Protagonist etwas mehr an Tiefe gewinnt, obwohl die Figuren insgesamt genretypisch eher flach sind.
Dieses Buch gehört zu Holts Besten. Es ist eine wunderschöne Geschichte und ein herrlicher Lesespaß um einen Teenager (später Erwachsenen), um all die Fettnäpfchen zwischenmenschlicher Kommunikation, um viele kleine grüne Elfen, die sich nicht immer so benehmen, wie man es klassischerweise von Elfen erwartet und um Menschen, die sich den Elfen gegenüber eher „unkonventionell" verhalten. Und es gibt ein überraschendes Ende.
Auch Holt-typisch ist es, dass man gelegentlich den Eindruck hat, dass die Geschichte etwas zu konstruiert ist um kontinuierlich zu sein, und dass die Auflösung der kunstvoll gewobenen Rätsel stellenweise eher bemüht als befriedigend ist. Aber das tut dem Lesespaß keinen großen Abbruch, und auch in Sachen Kontinuität gehört dieser Roman meiner Meinung nach zu den besten Holt-Romanen.