Eine schrecklich nette Familie hat die kleine Olive aus Albuquerque. Papa Richard versucht erfolglos in Motivationsseminaren mit eloquenten Sprüchen wie "Sarkasmus ist die letzte Zuflucht der Verlierer" und "Refuse To Lose", vermeintliche Loser in scheinbare Winner zu transformieren. Der Opa nimmt Heroin und hält überhaupt nichts von monogamen Beziehungen. Ihr Nietzsche lesender Bruder Dwayne hat ein Schweigegelübde abgelegt und artikuliert sich nur noch über Notizzettel, das übrigens solange andauern soll, bis er die Aufnahme an die Flugschule in strenger Selbstdisziplin geschafft hat. Und ihr homosexueller Onkel Frank zu guter letzt, hat soeben erst verzweifelt versucht, aus dem Leben auszuchecken. Mit dieser chaotischen Sippe im Gepäck begibt sich Olive nach Californien, wo sie an der Wahl zur Little Miss Sunshine teilnehmen möchte. Als fahrbarer Untersatz dient ihr dabei ein schrottreifer VW-Bus, bei dem schon mal die Kupplung im ersten Gang klemmt und der deswegen nur an Kuppen geparkt werden kann oder unter Umständen im flachen Gelände athletisch wie im Bobsport von seinen illustren Insassen angeschoben werden muss. Mit Musik von Sufjan Stevens auf den Ohren und einer Autohupe, die ihre Töne in völliger Fehlfunktion in Sekundenintervallen abruft, kann für die kleine Olive auf ihrer Reise quer durch Amerika eigentlich nichts mehr schief gehen.
Little Miss Sunshine ist eine wunderbare Mischung aus Family-Roadmovie und Tragikomödie, die mit viel schwarzem Humor und einigen melodramatischen Momenten mit dem typisch amerikanischen Gewinner/Verlierer-Denken, dem damit verbundenen Erfolgsdruck und dessen künstlich aufgebauschten Schönheitsidealen abrechnet. Die plastische Glamourfassade eines bedenklichen Kinderschönheitswettbewerbes, der den alljährlich heranwachsenden Beauty-Nachwuchs Amerikas auf seine Qualität überprüft, wird hier mit der anarchischen Kraft einer Abrissbirne mit voller Wucht eingerissen. Pointierte Dialoge, absurde und peinliche Situationen sowie ein flüssiges Drehbuch erleichtern es, dem passend besetzten Cast um Greg Kinnear, Steve Carell, Alain Arkin und der tollen Abigail Breslin zu glänzen. Perfekt stellt das Ensemble eine Familie dar, deren Mitglieder sich am Anfang des Films zunächst abgeneigt sind, die dann aber unter der erzwungenen Arrestierung in einem VW-Bus letztendlich doch Sympathien füreinander entwickeln. Insgesamt bietet der Film, der auf dem Sundance Festival gefeiert wurde, mit seinen vielen Running Gags, die auch schon mal in gelegentliche Albernheiten abdriften, und mit einer leicht lockeren Note sehr kurzweilige Unterhaltung.