* 01 - Good Morning *
Die ersten Pianotöne erinnern mich ein wenig ans Ave Maria, diese Assoziation hat sich aber schon beim Einsetzen der Gitarrenklänge zerschlagen. Zusammen mit Norahs Gesang bildet es eine harmonische Einheit, passt klanglich zum Aufstehen - noch nicht ganz wach halt. Teils sehr sphärisch angehaucht kommt dieses Lied recht ruhig daher, im Gegensatz zu einem klassischen Pop-Album nicht gerade ein schwungvoller Opener. Die Gitarre schrammelt ein wenig im Hintergrund dahin, aber gesanglich ist Norah hier auf jeden Fall top.
6/10 Punkten - definitiv Geschmackssache, meiner nicht ganz aber ein gutes Lied
* 02 - Say Goodbye *
Hier versteckt sich direkt am Anfang schon wesentlich mehr Schwung als bei "Good Morning". Eine eingängige, elektronische Melodie, im nahen Vordergrund erkennt man sogar einen ins Ohr gehenden Beat. Norah ist aufgewacht, die Stimme leicht verzerrt klingend, könnte man hier schon fast behaupten sie rockt die Menge. Auch wenn es sich hier defintiv eher um einen Pop-Song hat, so bleibt trotzdem das jazzige, soulige erhalten, alleine schon durch Norahs Stimme.
9/10 Punkten - eingängig, mitreißend, so muss Musik sein
* 03 - Little Broken Hearts *
Müsste man Vergleiche zum aktuellen Pop-Himmel ziehen, wäre hier Lana del Rey wohl am ehesten angebracht. Leicht düster und musikalisch eher monoton kommt "Little Broken Hearts" daher und setzt die Stimme von Norah richtig in den Mittelpunkt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist auch die Hintergrund sehr eingängig. Nicht unbedingt ein Song zum Träumen, eher nachdenklich. Hier kommen die Soul- und Jazz-Wurzeln deutlicher heraus, jedoch ohne den Song in eine bestimmte Musikrichtung hin zu charakterisieren.
10/10 Punkten - die Einfachheit und Vielfalt zugleich lässt hier nur die Höchstwertung zu
* 04 - She's 22 *
Mit "She's 22" kommt ein Song, wie ich ihn von Norah Jones kenne und eigentlich auch erwarte. Ruhig, mit einem Hauch von Jazz, im Prinzip wie "Sunrise" nur düsterer.
Auch dieser Song plätschert mehr oder weniger nur vor sich hin, schafft es aber doch eine Stimmung zu erzeugen, die zum Nachdenken anregt. Dies ist sicherlich auch mit begründet in den tiefsinnigen, sehr bildhaften Texten von Norah.
9/10 Punkte - Schön, aber leider schon etwas zu monoton
* 05 - Take It Back *
"Take It Back" lässt sich wirklich schwer beschreiben. Leichte Dissonanzen, teils fast schon rockig angehaucht, aber doch ruhig, melancholisch und wieder diese typische Soul- und Jazz-Note. Gefällt es mir? Ich bin hin- und hergerissen. Da der Song verhältnismäßig wechselhaft ist, gibt es Passagen die ich wahnsinnig toll finde, andere öden mich ein wenig an.
Gerade das etwas rockigere Ende, was für Norah Jones eher ungewöhnlich klingt, verleiht dem Song aber auch wieder ein gewisses Etwas, zumal es sich über recht lange Zeit hinwegzieht. Insgesamt ist dies eher ein Song um in Gedanken zu verfallen, der im Hintergrund die Untermalung bietet, aber nicht wirklich durchdringt.
7/10 Punkte - Gehobenes Mittelfeld, sicherlich nicht der schlechteste Song, aber auch nichts, was zu jeder Gelegenheit gehört werden kann
* 06 - After The Fall *
Wenn auch ein wenig heiterer von der musikalischen Untermalung als der Vorgänger, kommt man auch bei diesem Song in Versuchung, sich zurückzulehnen und die Gedanken schweifen zu lassen. Eher verträumt als nachdenklich, mit mehr Hintergrundmelodie, wird Norahs Stimme schon ein wenig verdrängt. Trotzdem eine gelungene Mischung, die aber auch nicht zu 100% vom Hocker hauen kann. Die gewohnte Melancholie ist auch hier in gewisser Weise vorhanden und bildet den Gegenpol zu den etwas frühlingshafteren Klängen, allerdings trotz Gegenpol in einer sehr guten Einheit.
8/10 Punkten
* 07 - 4 Broken Hearts *
Gitarre und Schlagzeug am Anfang bringen hier Assoziationen zur Band "Element Of Crime" hervor, man erwartet statt Norah Jones schon fast die einsetzende Stimme von Sven Regener. "4 Broken Hearts" ist wieder ein musikalisch gemischter Song, mal ruhig und eher eintönig, mal etwas lauter und schneller, jedoch auch hier sind die Wechselspiele perfekt aufeinander abgestimmt. Zwar geht er, im Vergleich zu den Vorgängern, wieder etwas mehr in den Kopf rein als nur ins Ohr, ist aber auch eher für melancholische Stunden als zum einfachen Abschalten.
7/10 Punkten
* 08 - Travelin' On *
Ein weiteres Highlight der CD stellt definitiv "Travelin' On" dar. Die zarten Gitarrenakkorde, die sanfte Stimme von Norah, dazu die punktuelle Cello-Untermalung, die musikalisch gefühlvolle Akzente setzt - dieser Song quillt über vor Gefühlen und man kann sich nicht entscheiden - möchte man der Gänsehaut erliegen, oder einfach nur auf der Musik träumend hinfort schweben.
Es ist kein Gute-Laune-Song, aber er hat einfach das gewisse Etwas, was auch "Sunrise" damals hatte, man kann sich dabei perfekt zurücklehnen und Kraft tanken.
10/10 Punkten - Absoluter Anspieltip, genau das, was ich an Norah Jones liebe
*09 - Out On The Road *
Musikalische Kehrtwende - "Out On The Road" ist ein absoluter Gute-Laune-Song, der zum Mitwippen einlädt. Nicht tanzen - nur wippen! In einer ganz speziellen musikalischen Mischung aus Jazz, Soul, Country und etwas undefinierbarem mit drin, was einfach nur Stimmung ausstrahlt. Dazu noch Norahs Stimme in voller Entfaltung und automatisch klappen hängende Mundwinkel nach oben.
Einfach nach vorne, das ist sowohl die Aussage des Songs als auch die Wirkung und das ganz ohne den Anschein eines Pop-Songs in gewohnt bekannter, eher ruhiger Art.
10/10 Punkten - kann es noch besser werden?
* 10 - Happy Pills *
Poppiger Soul, das trifft diesen Song wohl relativ gut. Man könnte sich "Happy Pills" auch gut im Radio zwischen dem Rest der Charts vorstellen, was sicher auch an dem eingängigen Beat liegt, der hier mitspielt. Unter normalen Umständen hätte ich den Song im Radio vielleicht wahrgenommen, für gut befunden, aber nicht weiter Beachtung geschenkt.
Trotzdem geht er irgendwie ins Ohr und das ist sein Vorteil. Die Melodie ist einfach, aber eingängig, Norahs Stimme muss ich wohl nicht noch weiter loben, und trotz der poppigen Einflüsse passt es doch zu Norah.
8/10 Punkten - letztendlich etwas zu wenig Norah Jones für meinen Geschmack
* 11 - Miriam *
Eine leicht düstere, bedrohliche Stimmung, untermalt mit viel Piano, passt wunderbar zu dem gesäuselten Text. Ein kleiner Hauch Wahnsinn schwingt in diesem Lied mit, bedingt durchs Fremdgehen - genial interpretiert von Norah Jones. Man kann richtig mitfühlen, wie die Emotionen der betrogenen Frau ausbrechen wollen.
Es ist kein Song, den ich einer bestimmten Stimmung zuordnen würde. Eigentlich passt er nirgendwo richtig hin, man kommt dabei nicht ins Träumen, nicht ins Grübeln, aber doch kann man nicht anders als ihn zu genießen.
Vielleicht wäre der einzige Anlass, zu dem dieser Song wirklich passen würde, eben genau die beschriebene Situation, doch trotzdem strahlt er eine wahnsinnige Faszination aus. Von vorne bis hinten absolut perfekt, obwohl er eigentlich gar nicht ins sonstige Bild von Norah Jones passt.
10/10 Punkten - Anspieltipp, da er völlig aus der Art fällt und trotzdem fasziniert
* 12 - All A Dream *
Zum Abschluss stellt Norah Jones wieder eine sehr düstere Stimmung her, heulende Gitarrenklänge, sanft gesetzte musikalische Akzente mit Schellen und Schlagzeug, dazu düsterer Gesang, trotzdem irgendwie zum mitwippen. Auch von diesem Song geht eine Faszination aus, die sich nicht wirklich beschreiben lässt. Man wird immer tiefer und tiefer in den Bann der Musik gezogen, dem Ende des Albums entgegen.
9/10 Punkten - ein gelungener Abschluss
105/120 Punkten ~ 87,5%
*~* Fazit *~*
An Hand der Einzelwertungen der Songs ergibt es sich schon deutlich, dass das Urteil nur 5 Sterne lauten kann. Hätte ich zwischen 2 Sternen schwanken müssen, wäre aber auf Grund von Songs wie "Travelin' On", "Out On The Road", "Little Broken Hearts" und "Miriam" die Entscheidung für die höhere Wertung sicherlich nicht schwer gefallen. Die absolut erstaunliche Vielfalt, die Norah Jones hier wieder an den Tag gelegt hat, verpflichtet quasi dazu, sich näher mit diesem Album zu beschäftigen. Sicherlich sind Geschmäcker verschieden, einen Hip-Hopper wird man von den Qualitäten von Norah nicht überzeugen können, aber für Freunde von Jazz, Soul und den eher gediegeneren Klängen, die auch was mit Künstlern wie Katie Melua, Element Of Crime oder Coldplay anfangen können, die sind mit diesem Album definitiv gut aufgehoben. Ich werde sicher weiterhin auch immer wieder auf die Klänge von Norah Jones zurückgreifen und kann jedem nur dazu raten es mir gleich zu tun. War ich anfangs noch ein wenig enttäuscht und verunsichert, ob dieses Album mit Freude bringen wird, hat es sich im Laufe der Songs immer wieder gesteigert und durch seine Vielfalt die unterschiedlichsten Emotionen hervorgerufen. Ebenfalls die gezielte und gekonnte Verwendung unterschiedlichster Instrumente hat dazu einen großen Beitrag geleistet, so dass hier nicht nur der Gesang, sondern auch die komplette Umsetzung phänomenal ist.
5 Sterne und eine volle Empfehlung!