Kurzbeschreibung
Platons Aussagen zur Literatur scheinen paradox: Bald huldigt er dem irrational-ästhetischen Genie des inspirierten Dichters, bald verbannt er die bloß am Sinnlichen, nicht an Verstandesbegriffen orientierten Künstler aus seinem idealen Staat; so scheint er das weite Spannungsfeld der modernen Kunsttheorien - zwischen rationalistischer Poetik mit ihrer Tendenz zum abstrakten Regelkorsett und Genieästhetik mit ihrer Gefahr der Beliebigkeit - in zwei verschiedenen, widersprüchlichen Theorien bereits vorwegzunehmen.
Stefan Büttner zeigt, dass diese Deutung auf Interpretationskategorien beruht, die aus der Bewusstseinsphilosophie stammen, damit aber Platons anthropologischem Konzept nicht gerecht wird. Detailliert stellt Büttner die Unterschiede von Platons Erkenntnis- und Handlungstheorie zu den Positionen von Descartes, Leibniz, Wolff, Baumgarten, Kant u.a. dar. Er erläutert, wie Platon das Wesen der Literatur und ihres Gegenstandes bestimmt, und wie unvereinbar scheinende Konzepte in ein in sich widerspruchsfreies System münden.