Stefan Neuhaus' vorliegendes Werk fällt auf den ersten Blick dadurch auf, dass es für eine wissenschaftliche Einführung verhältnismäßig knapp gehalten ist. Dennoch lässt der Autor auf den weniger als 200 Seiten kaum einen Aspekt seines Themas unbesprochen.
Den Auftakt machen zwei theoretische Kapitel, von denen das erste eine Definition und Themeneingrenzung versucht, das zweite sich der Geschichte der Kritik widmet. Dies geschieht in erster Linie durch Kritikerportraits aus der mittlerweile 400 Jahre währenden Geschichte der Disziplin. Es folgen zwei an der Praxis orientierte Abschnitte, in denen sozusagen aus dem Nähkästchen geplaudert wird. Festgemacht an konkreten Beispielen beleuchtet Stefan Neuhaus erst die Kritik an der Kritik, ausgehend von der Autorenseite, und kommt dann auf ein Thema zu sprechen, welches die Literaturkritik schon mehr als einmal in aller Munde gebracht hat: den „Krieg im Feuilleton", in der Medienöffentlichkeit ausgetragene Fehden der Literaturschaffenden.
Mit den letzten Kapiteln gelangt man wieder in ruhigeres Fahrwasser. Welche literaturkritischen Gattungen gibt es? Wie wird bewertet? Wo kann man Literaturkritik studieren? Eine theoretische Annäherung an die ideale Kritik rundet den Überblick ab.
Und ein Überblick ist dieses Buch in der Tat. Stefan Neuhaus liefert das ab, was auf dem Titel steht: Eine Einführung. Nicht mehr - aber auch nicht weniger. Schon die Seitengestaltung mit den Anmerkungen am Rand stellt klar, worauf es dem Autor ankommt: Er möchte dem Leser zum Einstieg in sein gleichsam schwieriges, wie auch unterhaltsames Fachgebiet verhelfen. Dem, der nach Vertiefung sucht, bleibt nur der Blick in das umfangreiche Literaturverzeichnis.
Was sich für den Käufer des Buches hieraus ergibt, liegt auf der Hand. Ein Student der Literaturwissenschaft erwirbt einen Wegweiser, an dem er sich bestens orientieren kann, andere interessierte Leser könnten mit Neuhaus' „Literaturkritik" ihre Probleme haben. Zu kompakt gehalten sind die theoretisch orientierten Einstiegskapitel, dies gilt auch für Teile des Schlusses. Zudem mag man sich durch die Verständnisfragen am Ende jedes Kapitels ein wenig irritiert fühlen. Einzig die beiden praxisorientierten Kapitel im Mittelteil entfalten für alle Leser gleichermaßen ihren Charme.
Rezension von Martina Loch, Deutscher Fachjournalisten-Verband e.V.