Kurzbeschreibung
Wie steht es mit einer Wissenschaft, die den sie bestimmenden Begriff nicht mehr zu denken weiss? Ist dann etwas gewonnen, wenn man den Literaturbegriff mittels Handbuchdefinitionen fixiert oder wenn man ihn zugunsten anderer Begriffe wie Text, Information, Kommunikation aufgibt? Oder sollte auf die Literaturwissenschaft, der die lebenden Schriftsteller misstrauen, von der die Studenten so oft enttaeuscht sind und die der Staat bald schon fuer ueberfluessig halten wird, nicht ueberhaupt verzichtet werden? Je mehr sie sich von anderen Wissenschaften legitimieren laesst, je umtriebiger sie sich mit Fragen beschaeftigt, die allenfalls am Rande mit denen der Literatur etwas zu tun haben, je mehr sie verschmaeht, sich Gedanken zu machen darueber, was der Literaturbegriff in unserer Epoche bedeute, um so weniger bedarf es objektiv dieser Wissenschaft. Doch begriffe sie, dass sie sich mit dem einzigen Gegenstand beschaeftigt,der - neben der Musik und den Kuensten - in seinen entscheidenden Zeugnissen nicht vom Fachdenken oder von Ideologien praeformiert ist, so begriffe die Literaturwissenschaft ihre Notwendigkeit. In diesem Buch wird versucht, eine historische Konstruktion des Literaturbegriffs zu geben.