Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Spiel beginnt mit zwei Sopranstimmen in netter Klavierbegleitung. Es klingt aufregend, nach Enya Satie. Zwei Stücke später stehen dem Hörer mit dem Chor die Haare zu Berge, die Trommelwirbel schlagen wie auf Eisen, sie stehen als Zeichen für Arbeit und Krieg. Die Stücke stammen vom
Estonia Komponisten Veljo Tormis. Seine Musik stützt sich auf einfache Melodien und alte Volkspoesie, die für den finnischen oder estonischen Hörer vielleicht zu gewohnt klingen mag. Für den Nichtkundigen jedoch birgt sie Spannung, sie erscheint etwas atonal, wird aber über Chor- und Instrumentalpartien zugänglich. Ihre Atmosphäre lässt sich als klagend und ruhig, aber auch als energetisch und barbarisch beschreiben. Ihr Effekt ist vergleichbar Orffs
Carmina Burana mit weniger symphonischem Glamour und mehr musikalischer Substanz. Das unterhaltsamste Stück der Aufnahme heißt "The Bishop And The Pagan". Es erzählt die Geschichte vom Märtyrer Henry, der im Jahr 1158 an einem gefrorenen See von einem wütenden Landarbeiter mit der Axt erschlagen wurde. Eine Altstimme und zwei Tenöre singen das mittelalterliche lateinische Gedicht zu Ehren des Märtyrers auf eine dem Kirchengesang verwandte Art und Weise. Bass und Bariton hämmern ansteigend ein antikes finnisches und lyrisches Gedicht aus der Sicht des Landarbeiters entgegen. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn das Henry-Trio mit fast wortlosem Geheul erstirbt und die Stimme des Landarbeiters tönend fest bestehen bleibt. Die Wendung am Ende ist erstaunlich spitzfindig. Das zweite Stück der Aufnahme heisst "Litany To Thunder" und schildert die Opferung eines Ochsen für den Gott des Donners und des Regens. Es ist offen und ehrlich erschreckend.
--Matthew Westphal