Eigentlich hat Joe Leaphorn ja nur keine Lust, die Sicherheit eines Pfadfindertreffens zu gewährleisten, und übernimmt deswegen die ungeklärten Fälle eines Kollegen - und außerdem hat gerade eben jemand versucht, ihn zu überfahren, und das will er nicht auf sich sitzen lassen. Also macht er sich auf zu klären, wieso Hosteen Tso, ein kranker alter Navajo, und ein 16-jähriges Mädchen ermordet wurden, während die Mörder eine alte Frau in der Nähe übersahen, kümmert sich um die Unversehrtheit einer jungen Dame, die irgendwo in den Weiten des Reservats abgeblieben ist, und sucht nach einem seit Monaten verschwundenen Hubschrauber, mit dem eine militante Indianer-Organisation die Beute eines Banküberfalls transportiert hatte.
Die losen Fäden, die Leaphorn da in Händen hält, zerfieseln sich immer mehr; bei der alten Frau z.B. handelt es sich um die blinde "Listening Woman", eine weise Frau, die zwar vieles ahnt, aber längst nicht alles sagt. Im Hogan des ermordeten alten Mannes lebt seit kurzem dessen Enkel, ein Franziskanerpater - aber wer hat ihm den Brief geschickt mit der dringenden Nachricht, er solle sofort kommen? Hosteen Tso war es jedenfalls nicht, denn der war schon tot, als der Brief geschrieben wurde. Und wer ist der Mann mit der Goldrandbrille und dem gefährlichen Wolfshund?
In einem dramatischen Finale, während des quälend langsamen, tagelangen Showdowns, setzt Leaphorn schließlich Stück für Stück zusammen, während ihm seine Gegner immer dicht auf den Fersen sind. Und am Ende rettet er sogar noch die verschmähten Pfadfinder...
Auch in diesem Ethno-Thriller entwickelt Hillerman die Handlung wieder aus den Eigenarten und Bräuchen der Navajos, die sich von der Welt der Weißen deutlich unterscheidet. Leaphorn, ein Systematiker reinsten Wassers, der die alten Bräuche zwar kennt und respektiert, aber selber nicht mehr daran glaubt, wird einem von Band zu Band sympathischer. In "Listening Woman" bemüht Hillerman zwar ein wenig sehr den Zufall, aber das ändert nichts daran, dass auch dieser Thriller spannend bleibt bis zur allerletzten Seite. Spannend und informativ, denn die Navajos werden hier jenseits aller Sozialromantik und Klischees geschildert.