Nein, ich schäme mich nicht, diese CD von Geore Michael "meinen Klassiker" zu nennen! George Michael. Diesen Namen verbinden die meisten wohl mit diesem lasziv dreinblickenden bärtigen Schwarm aus WHAM!-Zeiten, mit Liedern wie "Faith" und "I want your Sex". Jedenfalls mit einer Oberflächlichkeit, der der Name "Klassiker" nicht unbedingt angeheftet werden sollte. Doch kennen jene Leute wohl eben "Listen without Prejudice" nicht, die einen völlig anderen George Michael präsentiert.
Einen, der mit einer traumwandlerischen Sicherheit zu unterhalten und zu berühren weiß. Einen, der beweist, dass er ein exzellenter Songwriter ist - und Sänger. Einer, den es nicht viel bedraf, um wunderschöne tiefgründige Songs zu zaubern. Die meiner Meinung nach berührendsten Lieder sind recht spärlich instrumentiert und stützen sich auf diese unnachahmliche Stimme. Zu nennen sind hier vor allem das live gesungene "They won't go when I go" (von Stevie Wonder), "Something to save" (mit Cello) oder "Mother's pride". Ein Fest für jeden, der auf melancholische Musik steht!
Ich denke, dass George in keiner seiner folgenden Aufnahmen je wieder diesen durchdringenden, ins Mark treffenden Ausdruck im Gesang erreicht hat. Ganz zu schweigen von aktuellen Songs wie "Freeek!", die ja ganz nett anzuhören sind, aber doch viel von seinem Talent verstecken.
Da sind die groovigeren Stücke dieser CD schon um einiges gehaltvoller, speziell "Soul Free".
Dazwischen verstecken sich die wunderschön zu hörenden Perlen "Cowboy and Angels", "Waiting for that day", "Heal the Pain". Genüsslich klingt das Werk mit "Waiting (Reprise)" aus.
Am "uninteressantesten", weil kommerziellsten, ist meiner Ansicht nach der zweite Track "Freedom '90".
Mich hat diese CD, die ja schon mehr als 12 Jahre alt ist, durch meine Jugend begleitet. Es liegt ein zeitloser Zauber auf der Scheibe, die schwer in Worte zu fassen ist und mich auch heute noch in den Bann zieht.
Kurz: Wer mit so viel Talent so lange zu bezaubern weiß, der hat den Namen "Klassiker" redlich verdient!